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Verzeihen macht das Herz weit
Bild: Vlad Bitte/Pixabay

Verzeihen macht das Herz weit

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Er war fünfzehn, erzählt er, und hatte Schulden. Er sah keinen Ausweg mehr. Außer einem. Er klaute seinem Vater ein goldenes Armband und machte es zu Geld. Jetzt war er schuldenfrei, hatte aber ein schlechtes Gewissen. Das drückte ihn. Er konnte die Last nicht lange tragen, sagte er. Aber reden konnte er auch nicht. Also setzte er sich hin und schrieb seinem Vater einen Brief, ein Geständnis. Alles an ihm zitterte. Der Vater, erzählt er, las den Zettel, schloss seine Augen - und zerriss dann den Zettel. Er sagte zu seinem Jungen: „Es ist gut“; und nahm ihn in die Arme (erzählt von Mahatma Gandhi, 1869 – 1948).

Verzeihen macht das Herz weit. Manchmal nur ein bisschen, manchmal viel. Gleich zwei Herzen macht es weiter. Das Herz des Schuldigen und das Herz dessen, der verzeiht. Manchmal denke ich, wir tragen einander zu viel nach. Jahrelang, jahrzehntelang. Eltern und Kinder, ganze Familie rechnen sich dann immer wieder vor, was gewesen ist und warum das so weh getan hat. Das wird auch alles stimmen. Und hat sein Recht. Es ist schlimm, was Menschen einander antun können. Es ist aber auch schlimm, wenn das Herz dabei immer enger oder härter wird.

Dann kommt noch ein Schritt. Der Schritt des Verzeihens. Vielleicht muss man nicht immer alles nachtragen. Verzeihen macht das Herz weit. Man kriegt wieder besser Luft, sieht sich leichter in die Augen. Was Gott mit uns tut, könnten wir einander tun: Nicht alles nachtragen. Uns vielleicht in die Augen sehen und sagen: Es ist gut. Und heute noch damit anfangen.

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