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Urlaubszeit
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Urlaubszeit

Ksenija Auksutat
Ein Beitrag von

Ksenija Auksutat,

Evangelische Pfarrerin, Stockstadt

Es ist Sommer. Freunde fliegen nach Vietnam, selbstorganisiert werden sie dort unterwegs sein, mit Bussen reisen und sie hoffen, in Kontakt mit vielen Einheimischen zu kommen. Eine andere Freundin wird mit ihrer Tochter nach Gomera fliegen. Dort gibt es vormittags eine wirklich tolle Kinderbetreuung, sagt sie, und für sie Yogakurse. Die Nachmittage werden sie dann gemeinsam verbringen, einfach Zeit haben miteinander.

Und eine weitere Freundin von mir wird mit ihrer Mutter an die Ostsee fahren. Noch einmal ans Meer – das wünscht sich ihre hochbetagte Mutter und so lässt sie sich auf diesen besonderen Urlaub ein.

Sie alle suchen in diesem Sommer schöne Orte auf, sie wollen sich wohlfühlen. Aber es geht ihnen um noch mehr als Sonnenschein und gutes Essen. Die Zeit der Ferien soll Raum geben für das Miteinander: Als Ehepaar, als Eltern und Kinder, mit einem Menschen am Ende der Lebensreise. Urlaubszeit als Zeit füreinander. Für Austausch und Kontakt mit den Menschen, die einem am meisten bedeuten.

Ich glaube, das ist eine gemeinsame Sehnsucht der meisten Urlaubsreisenden. Die Kataloge und Webseiten der Reiseanbieter beschreiben darum nicht nur Sonne pur, leckeres Essen, eine tolle Hotelanlage mit allem Komfort. Sie zeigen auch, worauf es den meisten Urlaubern noch viel mehr ankommt. Glückliche Menschen, die Zeit haben, die lächeln, die etwas Gutes genießen. Man sieht ein Paar, das sich im Abendsonnenschein mit Weingläsern in der Hand anlächelt, eine Frau, die sich an ihren Partner ankuschelt, einen Vater mit dem Sohn auf der Wasserrutsche, Familien beim gemeinsamen Essen.

Der Urlaub als eine Zeit des Glücks. Doch solche Fotos bringt nicht jeder mit von seiner Reise. Wenn der Urlaub überfrachtet wird mit unseren Phantasien von Glück, Sonne, Harmonie, ist man am Ende vielleicht sogar enttäuscht.

Zeit gemeinsam erleben

Die meisten fahren ja mit anderen zusammen in den Urlaub: Als Paar, als Familie, mit Freunden. Gemeinsam Spaß haben, Sonne, Meer und gutes Essen genießen – das macht in Gesellschaft einfach viel Spaß. Aber das Zusammensein klappt nicht immer.
In der Bibel steht zwar: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ (1. Mose 2,18) Aber es fordert auch heraus: im Urlaub 24 Stunden am Tag, und das vierzehn Tage lang, zusammen zu sein.

Anderes als im Alltag ist man ununterbrochen gemeinsam unterwegs. Ein Zelt, eine Kabine auf dem Schiff, eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer – das bedeutet: wenig Platz, dauernd Kommunikation. Auch die Zeit vor den Ferien lässt sich nicht einfach abstreifen. Wer total angespannt und erschöpft seine Ferien antritt, wird nach einer langen Anreise nicht sofort entspannt im Kontakt mit seinen Reisegefährten sein.

Und dann nimmt man sich ja immer mit in den Urlaub selbst mit. Und auch alle Beziehungsgeschichten. Kinder in der Pubertät werden am Urlaubsort nicht plötzlich mit den Eltern kuscheln wollen wie früher. Und eine brüchige Beziehung kann auch in einem supertollen Luxus-Urlaub nicht geheilt werden.

Also für manche einfach keine schönen Urlaubsfotos? Vielleicht doch. Wenn es gelingt, sich auf die Mitreisenden einzustellen. Als meine Tochter mitten in der Pubertät war, kam sie nur unter der Bedingung mit, dass es in der Ferienwohnung WLAN geben muss. Als wir ankamen, gab es kein Internet. Krise. Das Kind protestierte, schaltete in den Boykott-Modus. Sie wollte nicht mit an den Strand, nichts besichtigen. Wir haben schließlich eine Verabredung getroffen. Jeden zweiten Tag durfte sie einfach für sich sein und abhängen, dazwischen aber würde sie mit uns etwas gemeinsam unternehmen. Gegen Ende des Urlaubs besuchten wir abends ein Konzert in einem ehemaligen Kloster. Das Kind kam unter ausdrücklichem Protest mit. Aber als wir spät abends zurück in der Ferienwohnung waren, hat sie sogar Danke gesagt, und: Es war viel schöner, als ich dachte. Rückblickend lachen wir über dieses etwas angestrengte Miteinander, und dass es nur von jedem zweiten Tag Familienfotos gibt.

Ich habe jedenfalls gelernt: Ein gemeinsamer Urlaub gelingt eher, wenn ich mir Zeit nehme und über Bedürfnisse, Wünsche und die Sehnsucht nach Ruhe und Freiraum nachzudenken. Und ich habe auch gemerkt: Der Urlaub ist eine Zeit, die Gott mir dafür schenkt, und die oft noch lange danach wirkt.

Gott schenkt Auszeiten

Gott zeigt, wie wichtig Pausen und Ruhezeiten für das Miteinanderleben sind. Man kann es schon aus dem Anfang der Bibel herauslesen. Gott schafft erstmal die Zeit, indem er es Tag und Nacht werden lässt. Und als am siebten Tag die Schöpfung vollendet ist, schaut Gott sich alles an und ruht sich aus. Heilende Kraft der Ruhe, hier ist sie geschaffen. Dieses elementare Bedürfnis nach Ruhe gehört zur guten Schöpfung. Man darf und soll sie sich nehmen, freie, unverplante Zeit. Zur Erinnerung daran hat Gott den Sabbat eingesetzt, den Feiertag. Das dritte der zehn Gebote sorgt dafür. Man soll zur Ruhe kommen dürfen, gemeinsam mit anderen, alle gleichzeitig.

Der Urlaub ist so etwas wie ein erweiterter Feiertag. Deshalb gibt es so was wie die großen Ferien, damit möglichst viele das gleichzeitig erleben können. Schulen sind geschlossen, Kitas machen meistens ein paar Wochen zu, manche Firmen oder Praxen machen in den Sommerferien für eine Weile komplett dicht.

Ausruhen ist in diesem Sinne mehr als nur Abhängen. Aber auch mehr als nur Auszeit, um wieder fit zu werden für den Arbeitsalltag. Ruhen heißt Freiheit für sich selbst, Urlaub ist eben Urlaub und nicht ein „Noch-nicht-wieder-auf Arbeit-sein“.

Für mich ist Urlaub ein Gottesgeschenk. Er schenkt Zeit für Familie und Freunde. Trotzdem kann jeder Mal etwas für sich allein unternehmen. Eine liest am Strand, der andere macht eine Fahrradtour in die angrenzenden Berge. Einer kümmert sich um ein Ausflugsprogramm und die anderen lassen sich überraschen.

Mir haben schon viele erzählt, wie gut es ihnen tut, Gott mit hinein zu nehmen. Bei der Besichtigung einer Kirche nicht nur die Kunst bestaunen, sondern sich einmal hinsetzen und versuchen, für einen Moment zur Ruhe kommen.

In vielen Kirchen kann man Kerzen anzünden. In ihrem lebendigen Licht kann ich einen Augenblick schweigen und auch beten. Und einmal ehrlich in mich hineinschauen. Wie geht es mir denn im Moment? Was brauche ich? Wie kann ich mich einlassen auf die besondere Situation in diesem Urlaub?

Wer den Urlaub nicht mit zu großen Erwartungen überfrachtet, ist am Ende dann auch nicht so leicht enttäuscht, kann neugierig bleiben auf alles, was man mit den anderen erlebt. Wenn ich an den Urlaub mit der Tochter in der Pubertät zurückdenke, war es für uns gut, dass wir auch im Urlaub mal Streit ausgehalten haben. Die schönen Momente bleiben: unsere Rückfahrt nach dem Konzert, als sie sagte, wie toll es war. Der Nachmittag nur für mich allein mit dem Buch auf dem Liegestuhl im Schatten. Der Tisch abends, Nudeln und Käse und Obst und Eis. Und die laue Luft. Und wir sitzen alle zusammen. So unterwegs zu sein, verbindet, wenn wir wieder zurück sind. Am Ende sage ich: Danke Gott, für diese geschenkte Zeit!

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