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Stille, Platz, Zeit.
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Stille, Platz, Zeit.

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Geld ist es nicht, sagt der Professor. Er macht ein Spiel mit den Studierenden. Was denken Sie, fragt, er, sind die wichtigsten Güter der Neuzeit? Als er ratlose Gesichter sieht, sagt er noch: Geld ist es nicht. Geld ist wichtig. Aber heute gibt es oft Wichtigeres. Als sich immer noch keiner regt, sagt er: Die wichtigsten Güter, auch im neuen Jahr, sind drei andere Dinge. Jetzt steht er von seinem Stuhl auf, geht zu den Studierenden und sagt dann fast andächtig: Drei Dinge, nämlich: Stille, Platz und Zeit. Damit hatte keiner gerechnet. Man sieht es den Gesichtern an. Es geht ja immer viel um Besitz im Leben. Da wundert es, wenn einer sagt: Geld ist wichtig, aber noch wichtiger sind heute: Stille, Platz, Zeit.

Mit Zeit habe ich keine Probleme. Ich kann sie mir einteilen und habe Pausen. Bei den anderen Dingen muss ich sagen: Ja, das stimmt. Stille gibt es wenig in einer Stadt, Platz erst Recht. Auf dem Land sieht das wohl anders aus, aber Stadtmenschen haben Probleme mit Stille und Platz. Wo immer man hingeht, sind schon viele da. Wann immer man mit Bus oder Bahn unterwegs ist, fahren viele andere mit und sind selten leise; dafür telefonieren sie, sprechen laut oder pöbeln auch mal. Ich merke, wie ich oft wünsche: Seid einfach mal still. Schaut den Vögeln zu oder staunt über Winterblumen, die leeren Bäume oder die Eisblumen. Lasst die Welt mit Euch in Ruhe.

Dann kommt man zu was, finde ich. Nämlich zu sich. Stille, Platz und Zeit zeigen mir, wer ich bin. Ich bin nicht so kraftvoll, wie ich oft tue; aber viel stärker, als ich befürchte. Es ist mehr als nur Ich. Ich werde auch gehalten. Gott sein Dank.

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