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Martin Luther hat Geburtstag
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Martin Luther hat Geburtstag

Kathrin Wittich-Jung
Ein Beitrag von

Kathrin Wittich-Jung,

Evangelische Pfarrerin, Wolfhagen
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Mit historischen Persönlichkeiten ist das ja immer so eine Sache: Schnell werden sie zu Idolen oder Vorbildern gemacht. Da werden die Stärken von ihren Fans in den Himmel gelobt und die schwierigen Seiten schnell unter den Teppich gekehrt. Sie werden vergöttert und zu kleinen Heiligen erhoben. Ihnen werden Denkmäler gebaut und Tage gewidmet. Heute ist so ein Tag- Der Theologe Martin Luther wurde heute vor 537 Jahren geboren. Aus ihm haben manche auch so etwas wie einen Heiligen gemacht. Er hat die Bibel verständlich für alle ins Deutsche übersetzt und die Kirche reformiert. Er hat dazu beigetragen, dass die evangelische Kirche entstand. Seine wichtigste Erkenntnis: Für ihn ist Gott ein gnädiger Gott. Einer, der Fehler vergibt und nicht auf ihnen herumreitet. Seine Lehre von der Rechtfertigung der Sünder war in der damaligen Zeit ein Meilenstein. Und so ist er auf einen Sockel gehoben worden und man hat ihm Denkmäler gebaut. In manchen Kreisen ist er fast schon ein Heiliger.

Aber das wollte er nie sein. Ein Zitat von ihm lautet: „Wir sollen Menschen und nicht Gott sein.“

Nach diesem Satz hat Luther auch gelebt. Er hat gerne gegessen und getrunken. Er war laut und hat gelacht. Und er hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. In seinem Tun war er sich immer bewusst: Ich bin ein Mensch. Und ich mache auch Fehler. Heute würde man sagen: Als Mensch ist man nicht perfekt. Anders ist das mit Gott. Der ist perfekt.

Mich entlastet die Erkenntnis. Denn eigentlich bin ich schon eine Perfektionistin. Und das ist manchmal wirklich anstrengend.

Martin Luther würde mir jetzt sagen: „Aber du bist ein Mensch und schon allein deswegen nicht vollkommen. Du kannst also ganz entspannt an dein Leben heran gehen, es wird so oder so nicht perfekt. So sehr du es auch erzwingen willst. Wärst du Gott, wäre das ganze etwas anderes. Aber so Gott hat dich nun mal als Mensch geschaffen und so bist du von ihm geliebt. Also mach dich mal locker.“ Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis des Reformators. Und vielleicht hat man ihm deswegen Denkmäler gebaut. Doch er war ein Mensch, wie du und ich.

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