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Leerstand in der Fürstenloge
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Leerstand in der Fürstenloge

Guido Hepke
Ein Beitrag von

Guido Hepke,

Evangelischer Pfarrer, Weilburg
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Die Kirche, an der ich arbeite, hat etwas Besonderes: Eine Fürstenloge. Die Farben sind verblasst. An einigen Stellen bröckelt der Putz. Trotzdem kann ich noch gut erkennen, wie prachtvoll der Raum früher war. Früher stand hier sogar ein Thron des Herrschers. Das war ein Statement: Der Fürst hat das Sagen. Sogar die Kirche untersteht seiner Herrschaft.

Die Weilburger Schlosskirche vor 300 Jahren eine Machtdemonstration

Eine Machtdemonstration war die Weilburger Schlosskirche, als sie vor 300 Jahren gebaut wurde. Damals hat keine Verfassung, kein Recht die Entscheidungen des Fürsten begrenzt.

Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei. Die Fürstenloge ist leer. Ich bin dankbar, dass wir in einer Demokratie leben– zumindest hier bei uns in Deutschland. Anders als früher gibt es Gesetze, die die die Macht der Regierung begrenzen. Alle Bürgerinnen und Bürger haben die gleichen Rechte und Pflichten.

Es braucht den Einsatz aller Bürgerinnen und Bürger, damit Demokratie gelingt

Die Fürstenloge erinnert mich daran: Das ist nicht selbstverständlich. Es braucht den Einsatz aller Bürgerinnen und Bürger, damit Demokratie lebendig bleibt.

Deshalb habe ich Respekt vor der ehrenamtlichen politischen Arbeit so vieler in den Ortsbeiräten und in den städtischen Gremien. Ich diskutiere gerne mit, wenn es darum geht: Was tut den Menschen gut – hier in unserer Stadt und in unserem Land. Das geht nur Miteinander – und in Augenhöhe.

Ein Miteinander in Augenhöhe

Die Schlosskirche in Weilburg macht heute sichtbar, wie das Miteinander in Augenhöhe gelingt. Die Bänke sind im Kreis um den Altar angeordnet. Wie in einem Parlament. Wir sehen einander, wenn wir hier Gottesdienst feiern. So wird deutlich: Alle Menschen sind gleich viel wert.

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