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Konkurrenz belebt das Geschäft: Von Lea und Rahel
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Konkurrenz belebt das Geschäft: Von Lea und Rahel

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Aber Konkurrenz kann auch ganz schön viel kaputt machen. In der Bibel stehen viele Geschichten zu dem Thema. Das hat seinen Grund, denn sich mit anderen zu vergleichen und zu messen, das ist zutiefst menschlich. Zum Beispiel sind da Lea und Rahel, zwei Schwestern. Sie sind mit demselben Mann verheiratet, mit Jakob.

Das war damals, vor 3000 Jahren, nicht ungewöhnlich. Jakob liebt Rahel, aber die bleibt kinderlos. Lea gebiert dagegen ein Kind nach dem anderen. Lea dankt Gott für ihre Söhne und sagt: „Gott hat mein Leid gesehen.“ Und fügt bitter hinzu: „Gott hat gesehen, dass ich ungeliebt bin.“ Aber die Liebe ihres Mannes kann sie nicht erobern. Eine furchtbare Konkurrenz: Liebe gegen Kinder. Bei Rahel wächst der Kinderwunsch immer mehr. Sie fühlt sich gedemütigt und als Versagerin. Rahel droht lange Zeit, an ihrer Kinderlosigkeit zu zerbrechen. Ganz am Ende bekommt sie doch noch zwei Söhne und sagt: „Endlich hat Gott mich erhört.“

Ich glaube: Konkurrenz entsteht immer da, wo Mangel herrscht. Wer selbst das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, dem fällt es schwer, anderen zu gönnen. In der Geschichte von Rahel und Lea gibt es ein seltsames PingPong. Gott stellt sich immer auf die Seite der Schwester, die gerade den Mangel erlebt. Das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, das kenne ich auch. Es gibt immer wieder Momente, wo ich mich frage, ob andere es nicht besser getroffen haben. Ob die anderen nicht mehr aus ihrem Leben, aus ihren Möglichkeiten gemacht haben. Das Leben kann ungerecht sein.

Zwei Beispiele: Oft kümmert sich nur eines der Geschwister um die gebrechlich werdenden Eltern, während die anderen ihr bisheriges Leben weiterleben – es ist ja gesorgt. Oder da sind zwei Schwestern: Der einen fliegt alles zu. Sie meistert das Leben spielend, ist immer fröhlich. Und der anderen fällt vieles schwer, sie muss sich alles hart erarbeiten. Gott sieht diese Ungerechtigkeiten und wie man daran leidet. Da bin ich mir sicher. Oft merke ich nicht, was ich habe, wenn ich nur auf den anderen schiele. Nicht immer sind alle Lebensbereiche im grünen Bereich. Mal läuft es in der Partnerschaft gut, aber im Beruf trete ich auf der Stelle oder umgekehrt. Dann ist wichtig, dass ich mich nicht von diesem einen Teilbereich beherrschen lasse.

Gott sieht mich. Das zeigt mir die Geschichte von Lea und Rahel. Um Gottes Aufmerksamkeit brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Da muss ich keine Konkurrenz aushalten. Zu wissen, dass mein Platz bei Gott sicher ist, kann mir Kraft und Gelassenheit geben für die vielen Ungerechtigkeiten des Alltags. Wenn ich weiß, dass mein Platz bei Gott sicher ist, dann kann ich Menschen anders begegnen. Dann ist eine Begegnung möglich, in der ich mich nicht benachteiligt fühle, sondern die mich weiterbringt.

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