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Gott, der großzügige Sämann
Bild: klimkin_pixabay

Gott, der großzügige Sämann

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…“ So heißt es in einem alten Volkslied. Auch wenn das heute natürlich anders läuft in der Landwirtschaft: Jetzt im März werden die großen Felder wieder bestellt – und viele kleinere Gärten auch. Alle Gartenliebhaberinnen und -liebhaber scharren schon mit den Füßen. Es beginnt die Zeit der ersten Aussaat, zumindest im Frühbeet, und viele bereiten schon mal die Beete für dieses Jahr vor.

Jeder Pflanze den optimalen Boden bieten

Die echten Expertinnen und Experten bemühen sich, für jede Art von Gemüse, jede Blumenart den richtigen Platz zu finden, sonnig oder halbschattig, am besten in unterstützender Nachbarschaft, also die Möhren neben den Zwiebeln und so weiter. Und natürlich wird der Samen sorgfältig in die Erde gebracht und je nachdem, wie er es braucht, mit mehr oder weniger Erde bedeckt.

Er wirft die Samen, ohne den Boden zu prüfen

Ganz anders kommt der Sämann daher, von dem Jesus in einem seiner Gleichnisse in der Bibel spricht. Er sät anscheinend mit großem Schwung und mit vollen Händen, denn ein Teil der Samen fällt direkt auf den Weg, ein anderer in die Dornen, ein dritter auf steinigen Grund und - was ein Glück: ein ordentlicher Teil fällt auch auf guten Boden. Dort geht er auf und bringt reichlich Frucht. Der Same, so heißt es im Evangelium, ist das Wort Gottes.

Was, wenn der Samen keinen fruchtbaren Boden hat?

Von jeher lesen die Menschen bei diesem Gleichnis den erhobenen Zeigefinger mit: möge das Wort Gottes bei uns auf fruchtbaren Boden fallen, in uns Frucht bringen… und nicht etwa, wie im Gleichnis, in die Dornen der Hetze, auf die Steine der Ignoranz und so weiter. Tatsächlich wird diese Erklärung auch direkt hinterher geschoben. Ob Jesus das wirklich so gesagt hat, wissen wir nicht.

Traut er uns zu, dass wir trotzdem Frucht bringen?

Aber wer schaut auf Gott, den Gärtner und Sämann? Diese Perspektive vermisse ich immer! Dieser Sämann hat anscheinend gar keine Angst, seine Samenkörner zu verschwenden, er schöpft aus dem Vollen. Er sät auch dort, wo er sich nicht sicher sein kann, dass etwas wächst oder das sogar ziemlich unwahrscheinlich ist. Ist das nicht wunderbar? So großzügig, so wenig kleinlich, so frei von Angst und Sorge ….

Auch karger Boden kann Gutes hervorbringen

Natürlich bleibt bei der Bibelstelle die Mahnung zum Fruchtbringen, aber vielleicht gibt der barmherzige Sämann den Samenkörnern auch die Chance, im nächsten Jahr erst aufzugehen oder weitergetragen durch die Vögel an ganz anderem Ort zu wachsen, außerhalb des Feldes?

An diesen Sämann denke ich manchmal, wenn ich leicht verwilderte Gärten sehe, und wenn mir mal wieder jemand erzählt, was man aus angeblichen Unkräutern Leckeres machen kann.

Und dann hoffe ich auf die Geduld und die Großzügigkeit von Gott, dem großen Gärtner und Sämann.

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