Ihr Suchbegriff
Geschenke
Bildquelle Pixabay

Geschenke

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer Diakoniepfarrer, Bad Hersfeld

Ich habe ein Päckchen geschickt, nicht zu Weihnachten, nicht zum Geburtstag, einfach so, weil ich Lust dazu hatte. Mir war danach, in die Geschäfte zu gehen und einige Leckereien zu kaufen, die nicht alltäglich sind. Bei einigen Sachen wusste ich: die mag die Empfängerin. Bei anderen war ich nicht sicher, hab‘s trotzdem dazu gepackt. Der Schuhkarton war gut gefüllt und ab ging die Post.

Drei Tage später der Anruf: Danke fürs Päckchen, hab mich gefreut! Aber sag mal, womit habe ich das verdient? Mit nichts, habe ich geantwortet. Du musst nichts verdienen, um etwas geschenkt zu bekommen. Man muss auch mal was annehmen können und sich beschenken lassen. Und wenn du dich gefreut hast, ist mir das auch eine Freude. Einfach so. Schweigen am anderen Ende. Oder, fragt die Empfängerin, hast du gedacht, ich hätte es nötig? Jetzt bin ich sprachlos. Und ein bisschen betreten komme ich ins Zweifeln: War mein Päckchen verletzend? Wollte ich den edlen Spender geben? Habe ich mit einer kleinen Geste jemanden beschämt?

Schenken ist kompliziert und heikel, hätte ich es doch gelassen, dann müsste ich dieses Gespräch nicht führen, denke ich. Peinlich. Weißt du, werden meine Gedanken unterbrochen, ich habe schon mal solch ein Päckchen bekommen. Ist lange her. Von zwei Freundinnen, die sich Sorgen um mich gemacht haben. Das war damals prima, ich konnte es sehr gut gebrauchen. Nicht nur die Sachen, die im Karton waren, sondern das Zeichen, dass sie an mich denken und besorgt sind. Jetzt bin ich erleichtert, hinter der Scham liegt der Dank. Hatte ich womöglich Dankbarkeit erwartet? Habe ich eigentlich mich selbst beschenken wollen? Gibt es selbstloses Schenken ohne Hintergedanken? Und wenn schon. Ich will mir die Leichtigkeit einfach so etwas zu verschenken nicht nehmen lassen. Schließlich gibt es eigentlich fast nichts, was ich nicht anderen verdanke. Der Empfängerin des Päckchens verdanke ich jedenfalls, dass ich dankbar bin für das Leben, das ich von Gott geschenkt bekommen habe und die Liebe, die ich mir nicht verdienen muss.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren