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Geheimnis unter Gottes Himmel
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Geheimnis unter Gottes Himmel

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Deutschland hat ein neues Wort: Nafri; eine Abkürzung für Nordafrikaner. Die Polizei in Köln hat das Kürzel Nafri erfunden, um aus fünf Silben zwei zu machen. Und hat damit Ärger bekommen. Die Abkürzung sei nicht achtsam genug. Nun ja. Ich mag auch keine Abkürzungen. Aber manchmal helfen sie. Kurz und knapp. Das ist nicht immer schön, aber manchmal nützt es. Und ist oft nicht böse gemeint.           
Böse ist aber, wenn Polizisten im Dienst beschimpft werden. Oder Feuerwehrleute wie vor einigen Tagen in Niedersachen (stern.de 5. 1. 2017). Die werden zum Dienst gerufen. Es geht hoch her. Bis die Hecke im Garten brennt. Die Helfer von der Feuerwehr bahnen sich ihren Weg - und werden dafür geschlagen. Tatsächlich. Auf dem Weg zum Einsatz. Auch Polizisten erzählen so etwas. Sie eilen zu Hilfe und werden wüst beschimpft. Das ist nicht nur unachtsam, sondern böse.            
Achtsam geht anders. Bevor ich der Polizei etwas unterstelle, schaue ich auf meine Achtsamkeit. Gibt es die? Habe ich sie? Ich war meist erleichtert in den letzten Tagen, wenn ich Polizisten sah. Am Bahnhof oder auf dem Weihnachtsmarkt. Sie hatten keine freien Tage, keine Silvesternacht mit der Familie. Sie machten Überstunden in der Kälte. Für Sie und mich. Nicht alle Polizisten sind reine Engel. Aber sie sind achtsam. Halten ihre Augen offen, damit ich weniger Sorgen habe.
Dafür bin ich dankbar. Für alle anderen auch, die Achtung vor Menschen haben. Einfach, weil sie Menschen sind. Viele sind keine Engel, natürlich. Achtung haben sie trotzdem verdient, weil sie Menschen sind. Es bleibt ein großes Geheimnis unter Gottes Himmel, das nur schön ist: Je achtsamer ich bin, desto mehr werde ich geachtet. Es fängt immer bei mir an und wandert dann durch meine Welt: Ich bin achtsam, darum werde ich geachtet.

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