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Freundlichkeit
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Freundlichkeit

Dr. Elisabeth Krause-Vilmar
Ein Beitrag von

Dr. Elisabeth Krause-Vilmar,

Evangelische Pfarrerin, Bad Vilbel
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Ich stand an der Bushaltestelle mitten in Marburg am Rudolfsplatz.
Es war früh am Morgen. Der Wetterbericht meinte, es sollte ein warmer Tag werden.
Es fühlte sich aber winterlich an. Kalt. Dunkel. Und ein eisiger Wind.
Ich war viel zu früh und der Bus hatte Verspätung. Das wurde mir auf einer digitalen Anzeige in dunkelgelber Schrift angezeigt.

Die Läden und Cafés waren noch zu. Nur ein großes Hotel war offen. Zögerlich ging ich rein, um mich ein wenig aufzuwärmen. Ich fragte: Es ist sehr kalt und mein Bus kommt erst in 20 Min. Kann ich mich bei Ihnen kurz reinsetzen? Der Hotelier lächelte und sagte: Selbstverständlich. Was kann ich Ihnen zu trinken anbieten?
Ich sagte etwas verdutzt: Kaffee wäre gut.

Der Kaffee ging aufs Haus, obwohl ich kein Hotelgast war. Ich trank ihn, bedankte mich und ging zurück zur Bushaltestelle. Der Bus kam. Die Verspätung war überhaupt kein Problem.

In das Hotel bin ich nicht mehr gegangen, aber die Freundlichkeit des Hoteliers habe ich nicht vergessen.
Sie erinnert mich daran, wie oft wir auf die Freundlichkeit anderer angewiesen sind.
Bei der Freundlichkeit geht es für mich um eine Haltung, die einen ernsten Blick auf sich selber zulässt. Ich frage mich: Kann ich nicht auch öfter freundlich sein?
Das ist manchmal schwer und gelingt nicht immer. Der Hotelier in Marburg zeigt, dass es geht. Manchmal. Oft.

Für mich ist das eine Haltung, die auf Gottes freundlichen Blick vertraut.
Er sieht uns – so wie wir sind – und schaut uns freundlich an.
Dieser freundliche Blick macht frei für die Bedürfnisse des Anderen.
Dann sehen wir den Anderen, und das, was er braucht.
Zum Beispiel einen Kaffee an einem kalten Morgen mitten in Marburg.

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