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Ein faszinierender Fragebogen

Ein faszinierender Fragebogen

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim
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Fragebögen von Prominenten: Wenn ich die in einer Zeitschrift entdecke, packt mich die Neugier. Egal, ob mir der Promi-Name etwas sagt oder nicht. Ich find es spannend, Antworten auf solche oder ähnliche Fragen zu lesen: „Was ist Ihr Lieblingsbuch?“ „Was ist Ihr Lieblingsessen?“ Vermutlich, weil ich es genieße, die Promi-Antwort mit der Überlegung abzugleichen: „Würd´ ich auch so antworten?“ Das führt dazu, dass ich jedes Mal einen kleinen Selbst-Check durchführe. So im Sinne einer Ortsbestimmung: Was find ich gerade gut? Wovon bin ich überzeugt?

Woran glauben Sie?

Besonders spannend find ich solche Fragebögen natürlich, wenn es ums „Große Ganze“ geht. „Woran glauben Sie?“ hat jetzt meine Kirchenzeitung in einer Fragebogenserie Persönlichkeiten gefragt. Kirchliche und nichtkirchliche. Die Antworten darauf fand ich sehr inspirierend. Viele zeigen: Auch wenn die Menschen an Gott zweifeln - ganz abgeschlossen haben sie mit ihm nicht. So erklärt der Schriftsteller Harald Martenstein behutsam: „Gott ist möglich“. Andere bekennen natürlich auch klar Farbe: Die Bischöfin Beate Hofmann benennt Gott als „Kraftquelle“.

Mich hat beeindruckt, wie optimistisch viele auf die Glaubens-Frage reagieren. Mehrere Befragte erklären: Sie glauben an „das Gute im Menschen“ oder an „die Vernunft“. Andere betonen aber auch: Es fällt ihnen schwer, ihren Optimismus zu bewahren.

Wie glauben Sie heute?

Was mich aber besonders fasziniert hat, als ich über Wochen den Fragebogen in der Zeitung gelesen hab: Ich hab die Frage auch für mich selbst jede Woche anders beantwortet. Denn: Ja, ich glaube an Gott. Das ist eine Konstante in meinem Leben. Aber wie ich an Gott glaube, das würde ich je nach meiner aktuellen Sicht auf die Welt und auch auf mich selbst immer wieder anders formulieren: Mal optimistisch. Dann wieder mit Zweifeln, durchaus auch mal mit Verzweiflung gemischt. Und in einer meditativen Stimmung kommen mir auch Antworten, die ich selber erst seltsam, letztlich aber ziemlich erhellend finde: Ich kann mich erinnern, dass mir mal auf der Zunge lag: „Ich glaube an Gott wie an einen Freund, der einfach ganz anders ist.“

Die Zeitungsserie mit dem Fragebogen ist jetzt zu Ende. Ich möchte mir aber auch in der nächsten Zeit ganz bewusst regelmäßig die Frage stellen: „Woran glaube ich eigentlich?“ Um meinen Glauben und damit auch mich selbst lebendig zu halten.

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