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Die Kraft der Erinnerung
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Die Kraft der Erinnerung

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen
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„Wenn die Füße nicht mehr flitzen, tanzen wir vergnügt im Sitzen.“ Unter diesem Motto mache ich einmal in der Woche mit Menschen in einer Tagespflege „Tanzen im Sitzen“. Das sind alte Menschen, auf Rollatoren gestützt, bewegungseingeschränkt. Sie kommen aus unserem Dorf oder anderen Orten und verbringen den Tag zusammen. Sie kochen gemeinsam, essen und trinken, erzählen und singen und tanzen. Und weil wir nicht mehr wie in der Jugend über das Tanzparkett flitzen können, tanzen wir eben auf unseren Stühlen.

Da sitzen also fünfzehn alte Menschen im Kreis. In der Mitte steht ein Blumenstrauß aus Pfingstrosen. Der CD-Player spielt Musik von früher: „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ oder „Weiße Rosen aus Athen“.

Und wir tanzen dazu im Sitzen. Das macht viel Spaß. Weil wir etwas zusammentun, uns gemeinsam zum Takt der Musik bewegen und mitsingen. Jeder Mensch – besonders im Alter – braucht Kontakt, Begegnung, gemeinsames Tun.

Und die Musik und das Tanzen wecken die Erinnerung. Erinnerung ist eine wunderbare Fähigkeit. Was einmal geschehen ist, ist nicht einfach weg, als wäre es niemals gewesen. Selbst wenn ein Mensch gestorben ist, ist er nicht einfach spurlos verschwunden. Da bleibt etwas über den Tod hinaus im Gedächtnis der Lebenden, in Erinnerung.

In Gelnhausen steht an einem Fachwerkhaus der Satz: „Und die Erinnerung wird zu einem Paradies, aus dem uns niemand vertreiben kann.“

Wenn es den Menschen in der Bibel nicht gut ging, dann haben sie sich an die großen Taten Gottes erinnert. Sie haben gesagt: Gott hat uns früher geholfen. Wir haben schon einiges überstanden. Dann wird Gott auch jetzt bei uns sein. Das weckt Hoffnung – und gibt neuen Schwung. Zum Beispiel für einen Tanz im Sitzen.

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