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Die Kirche bleibt wichtig
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Die Kirche bleibt wichtig

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Medienkoordinator des Bistums Mainz
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Es gibt Tage, da habe ich die Nase echt voll von meiner katholischen Kirche. Wie erst kurz vor Ostern: Da gab es aus dem Vatikan eine knallharte Entscheidung: Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare sind nicht möglich. Boah, habe ich gedacht. Jetzt nicht das auch noch. Als ob die katholische Kirche zurzeit nicht genug Probleme hätte – allen voran die schrecklichen Missbrauchsfälle und -vertuschungen. Die Medien waren in den vergangenen Wochen ja wieder voll davon. Und jetzt noch das. Ich habe viele Kommentare gelesen mit dem Tenor: „So, das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Es reicht. Ich trete aus.“

Aber: Es hat in der katholischen Kirche in Deutschland ziemlich rumort nach dieser Entscheidung zum Thema „Segnung homosexueller Paare“: Da haben Bischöfe deutlich ihr Unverständnis geäußert. Und es gab offen Widerstand. So hat ein Priester aus Worms bei Facebook sofort ein Video zu der römischen Entscheidung eingestellt. Das ist direkt viral gegangen – es gab zehntausende Aufrufe, jede Menge Likes und Kommentare. Sein zentraler Satz war: „Segen ist doch kein Instrument für moralisches Urteil! Sondern die Zusage, dass Gott da ist, dass er mit uns geht. In guten wie in schweren Stunden.“ Das hat mir wirklich aus dem Herzen gesprochen. Und er hat gesagt: „Wo die Kirche glaubt, sich zur Wächterin über den Segen Gottes machen zu müssen, ist sie kein Segen mehr für die Welt.“ In den Kommentaren gabs dann auch ein paar, die sagten: Ok, das hält mich jetzt doch noch mal von einem Austritt ab. Und dann war ich dann doch wieder ein bisschen stolz auf meine Kirche. In der es immer noch solche Seelsorger gibt.

Ich bin davon überzeugt: Es ist wichtig, dass es Kirche gibt – sei sie katholisch, evangelisch oder orthodox. Denn sie steht Menschen bei, vor allem an den entscheidenden Wendepunkten des Lebens. Bei der Taufe eines Kindes, oder bei der Begleitung eines Sterbenden. Sie kümmert sich um alte und kranke Menschen, um Menschen mit Behinderung. Sie schafft heilige Räume: für Gottesdienste, Gebet, Stille und Meditation. Mich haben Kirche und Glaube ein Leben lang begleitet: als Messdiener und Jugendgruppenleiter. Als Student in einer katholischen Hochschulgemeinde. Oder heute als Vater: Abends vor dem Schlafengehen spreche ich mit meinen Kindern immer ein Gebet.

Meine Glaubensheimat bleib die katholische Kirche. Obwohl sie es mir manchmal verdammt schwer macht. Ich hoffe und bete, dass sie sich weiter entwickelt und reformiert. Und sie so immer mehr zu einer Gemeinschaft wird, die einen Gott verkündet, der das Leben und den Segen will für alle Menschen.

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