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Das Leben ist die eigentliche Schule

Das Leben ist die eigentliche Schule

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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Seit einigen Wochen läuft jetzt schon wieder die Schule bei uns in Hessen. Ich gebe selber auch wieder Religionsunterricht in der Grundschule, die schräg gegenüber von unserer Kirche liegt. Manchmal kommt dabei die Erinnerung an meine eigene Schulzeit. Ich weiß noch, dass ich irgendwann mit 16 von der Schule die Nase so voll hatte, dass ich mit der Mittleren Reife das Gymnasium verlassen habe. Ich hatte mir damals in den Kopf gesetzt, eine Berufsausbildung zu beginnen, weil ich schnell frei und unabhängig werden wollte. Schule bedeutete für mich damals vor allem eins: Abhängigkeit. Einige Bewerbungen waren gescheitert, eine war schließlich erfolgreich: Ich lernte Bauzeichner in einem Architekturbüro. Ich habe schon bald gespürt: Eine  Berufsausbildung ist auch kein Zuckerschlecken, und sie hat andere Abhängigkeiten. Oft hab ich mich damals gefragt: Ist das jetzt alles vom Leben? Im Beruf funktionieren und das tun was alle damals in meiner Umgebung taten: eine Partnerin finden, heiraten, ein Haus bauen und Kinder kriegen. Oder gab es noch einen tieferen Sinn im Leben? Und diese Frage führte mich dann wieder an die Schule – auf den zweiten Bildungsweg. Dort lernte ich einen Lehrer kennen, der meiner Sehnsucht nach Sinn eine Antwort gegeben hat. Er hat mich damals gefragt: „Wieso wirst du eigentlich nicht Seelsorger?“ Während meines Zivildienstes hab ich dann über alles nachgedacht. Und dann machte ich, was mein Herz mir gesagt hat: Ich hab Philosophie und Theologie studiert.

„Liebe deine Geschichte, denn sie ist der Weg, den Gott mit dir geht“ Das hat einmal Leo Tolstoi gesagt. Als ich mit 16 Jahren die Schule verlassen habe, hatte ich eigentlich keine Ahnung, wie mein Leben verlaufen würde. Es war ein Rumstochern im Dunkeln und Ausprobieren, und das hat mich zunächst einmal zu einer Ausbildung geführt. Aber ich habe gemerkt: Das kann nicht alles sein. Mir fehlt was zum Glücklichsein. Und das hat mich auf einen Weg gebracht, für den ich heute Gott noch dankbar bin und von dem ich sage: Gott hat mich diesen Weg geführt. Er hat mich Umwege gehen lassen, aber er hat mich auch auf einen Weg gebracht: Ich wurde Seelsorger und freue mich noch heute – nach über 25 Jahren - auf jeden Tag, an dem ich diesem Beruf nachgehen kann. Liebe deine Geschichte, denn sie ist der Weg, den Gott mit dir geht. Nach der Berufsfindung gab es andere Umwege in meinem Leben: Partnerschaften gingen in die Brüche – berufliche Ambitionen gingen nicht immer in Erfüllung, auch Krankheit holte mich ein. Durch alle Umwege, Rückschläge und Wirren hat mich immer mein Glaube getragen und ich habe immer mehr den Eindruck gewonnen: Gott führt mich durch die Schule des Lebens.

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