Brot für die Welt wird 60
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Brot für die Welt wird 60

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Ich war 13, Konfirmand und stand mit meiner Spendensammelbüchse vor dem Feinkost Käfer in München. Da kaufen Reiche, Adelige, Feinschmecker und Prominente ihre Lebensmittel ein. Ein guter Platz, haben wir Teenager uns gedacht. Wir konnten Schauspieler wie Siegfried Lowitz, den Kommissar aus „Der Alte“, oder Senta Berger beim Einkaufen sehen. Wir haben unsere Büchse geschüttelt und jeden mit einem Grinsen im Gesicht gefragt: „Eine Spende für Brot für die Welt?“ Wir waren die Spendensammel-Könige.

„Brot für die Welt“ wird 60. Gerade läuft die 60. Spendensammelaktion. Ende der 50er Jahre haben evangelische Kirchen in West- und Ostdeutschland zum ersten Mal Geld für Hungernde in anderen Ländern gesammelt. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war damals weit fortgeschritten. Besonders im Westen herrschte Wirtschaftswunder-Zeit. Den Deutschen ging es immer besser. Aber sie hatten nicht vergessen, wie es ist, wenn man hungert. Und sie hatten nicht vergessen, dass Menschen in anderen Ländern ihnen nach dem Krieg geholfen haben. Marshall-Plan, Care-Pakete aus Amerika.

Aus Indien kamen damals Nachrichten und Bilder von einer schrecklichen Hungersnot. Zwölf Millionen Menschen hatten nicht genug zum Essen. Der Slogan von Brot für die Welt hieß damals: „Wenn Du wieder satt geworden bist, gib fünf Pfennig für die Hungernden.“ Der Satz klingt heute weit weg. Aber damals hat er das Lebensgefühl getroffen. Die erste Spendenaktion „Brot für die Welt“ brachte ein Rekordergebnis. 19 Millionen Mark kamen zusammen. Viele Leute haben fünf Pfennig und mehr gespendet. Die Deutschen wollten etwas weitergeben von dem, was sie bekommen haben. Sie wurden von Beschenkten zu Schenkenden.

Brot für die Welt war eigentlich als einmalige Aktion gedacht. Aber sie war so erfolgreich, dass die Kirchen weitergemacht haben. Brot für die Welt hilft bis heute Menschen, die hungern. Mich überzeugt schon der Name. Es geht um Brot, also um das, was ein Mensch unbedingt zum Leben braucht. Menschen sollen leben können. Hier und überall auf der Welt. Und dafür kann ich etwas geben.

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