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Von guten Mächten...

Von guten Mächten...

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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„Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das ist der Anfang eines der bekanntesten geistlichen Gedichte beziehungsweise Lieder. Der evangelische Theologen Dietrich Bonhoeffer hat es geschrieben. Es ist vielen Menschen, die ich kenne, in schwierigen Zeiten wichtig geworden.

Dietrich Bonhoeffer hat diese Zeilen in seinem letzten Brief aus dem Gefängnis an seine Verlobte Maria von Wedemeyer geschrieben. Das Gedicht "Von guten Mächten" war sein Weihnachtsgruß an seine Familie – und zugleich ein Vermächtnis. Darin heißt es:

„Von guten Mächten treu und still umgeben
behütet und getröstet wunderbar, –
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;
noch will das alte unsre Herzen quälen
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.“

(in: Brautbriefe Zelle 92. Dietrich Bonhoeffer – Maria von Wedemeyer 1943-1945, München 2001, S. 209)

Nachdem er diesen Brief geschrieben hatte, hat er nur noch wenige Wochen gelebt. Heute vor 75 Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer auf persönlichen Befehl Hitlers im KZ Flossenbürg ermordet.

Heute ist zugleich Gründonnerstag – der Tag an dem Christen sich an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern erinnern. In der Nacht nach diesem Abendmahl betete Jesus im Garten Getsemani zu Gott: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst (geschehe es).“ (Matthäus 26,39). Von einem „bitteren Kelch des Leids“ spricht auch Bonhoeffer in den nächsten Strophen des Gedichtes. Er schreibt:

„Und reichst Du uns
den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.“

Bonhoeffer wollte nicht sterben. Aber aus seinen Zeilen spricht tiefes Gottvertrauen, das er selbst in seiner aussichtslosen Lage hatte. Seine Hoffnung hat sich aus seinem Glauben gespeist. Und er war zudem davon überzeugt, dass Glauben und Handeln eines Christen übereinstimmen muss.

Dietrich Bonhoeffer war lutherischer Theologe, Pfarrer und hat sich sowohl in der sogenannten „Bekennenden Kirche“ engagiert als auch im Widerstand um seinen Schwager Hans von Donahny. Er hat seine internationalen ökumenischen Kontakte genutzt, um ein Deutschland nach Hitler vorzubereiten. Als das 1943 aufflog, wurde er verhaftet und kam nicht mehr frei.

Wie wahrscheinlich viele Menschen bin ich beeindruckt und berührt von Dietrich Bonhoeffers Leben und seiner Haltung. Sein Glaube und seine Überzeugung sind ein Vorbild für alle, die auch in schwierigen Zeiten und unter schwierigen Umständen ihre christliche Überzeugung leben wollen.

Mich berührt es, dass der 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer auf einen Gründonnerstag fällt, auf den Tag, an dem sich Christen an das letzte Abendmahl, die Verhaftung und das Leiden Jesu erinnern. Beim letzten Abendmahl Jesu hat Jesus zu seinen Jüngern gesagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Der 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer erinnert daran, was das ganz konkret bedeuten kann.  Und im Mittelpunkt steht das Vertrauen auf Gott, das ausgedrückt wird in den Zeilen, der zum Refrain des Liedes wurde:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

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