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Ohne Strom leben
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Ohne Strom leben

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer Diakoniepfarrer, Bad Hersfeld
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Guten Morgen, schön, dass Sie mich hören können! Sie haben also Strom. Auch für den Kaffee, vielleicht den Toast, das Licht im Bad, den Rasierapparat, das warme Wasser: Strom. Er ist einfach da. Zuverlässig zu jeder Stunde. Oder auch nicht, wenn Sie über längere Zeit nicht bezahlt haben, nicht bezahlen konnten. Dann wird Ihnen der Strom gesperrt. Und es wird dunkel.

Schulden haben ist das eine. Energieschulden sind das andere, sie wachsen schnell. Über 6 Millionen Menschen wurde in Deutschland eine Stromsperre angedroht. Wenn die Rechnung nicht bezahlt wird, hat ein Energieunternehmen das Recht, den Strom abzustellen. 320.000 Haushalten ist das passiert. Die Folgen können dramatisch sein. Probieren Sie es einmal aus, eine Woche ohne Strom in Ihrer Wohnung zu leben. Sie wird nicht nur ungemütlich, sie ist kein Zuhause mehr. Lebensmittel müssen auf die Fensterbank in der Hoffnung, dass keine Taube oder ein Waschbär sich daran labt. Zum Lesen braucht man Kerzen. Ein warmer Tee ist nur nebenan, in der Bäckerei, zu bekommen, wenn man Schulden hat aber ein unerlaubter Luxus. Musik ist kein Trost, weil das Radio nur mit teuren Batterien läuft, ein Fernseher bleibt stumm und das Handy muss man irgendwo unterwegs an einer fremden Steckdose aufladen. Manche Wohnungslosigkeit hat so angefangen.

Mich treibt die Jahreslosung für das neue Jahr um: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wasser umsonst. Wasser kostet Geld, genauso wie Strom. Umsonst gibt es heute fast nichts mehr. Damit Schulden nicht zum Verlust der Wohnung führen, gibt es die Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie. Sie hilft sehr praktisch: Fristverlängerung,  Stundungen und Darlehen beantragen. Die Quelle lebendigen Wassers umsonst. Beratungsstellen sind kleine Tropfen dieses lebendigen Wassers. Und Nothelfer der Barmherzigkeit in rauen Zeiten. Manchmal hat die Menschenfreundlichkeit Gottes auch das Gesicht der freundlichen Mitarbeiterin des Energieunternehmens, wenn sie den Antrag auf Ratenzahlung genehmigt, statt das Licht auszuknipsen.

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