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Lügen
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Lügen

Ein Beitrag von Dieter Dersch, Evangelischer Pfarrer, Kassel

Manchmal geht es nicht ohne Lügen. Und ich gebe es zu: Ich habe auch schon ab und an gelogen. Vor ein paar Wochen zum Beispiel. Da habe ich etwas geschenkt bekommen, was ich überhaupt nicht mag. „Toll!“, habe ich gesagt, obwohl ich es wirklich hässlich fand. Ich wollte halt höflich sein. Einer Freundin habe ich mal gesagt, dass ich ihre Frisur cool finde. Dabei sah es aus wie ein Vogelnest. Aber ich wollte sie nicht verletzen. Und was habe ich meiner kleinen Nichte und meinem Neffen schon für fantastische Geschichten erzählt und mich dann über ihre großen staunenden Augen amüsiert. Manchmal sage ich auch „guten Tag“ zu jemandem, den ich gar nicht leiden mag. Auch eine Lüge. Oder wenn ich gefragt werde, wie es mir geht, antworte ich knapp mit „gut“, obwohl es gar nicht so ist.

Bis zu 200-mal soll jeder Mensch am Tag lügen. Bewusst oder unbewusst. Oftmals gar nicht mit böser Absicht. Ich weiß nicht, ob diese Zahl wirklich stimmt. Aber ich glaube, dass wir häufiger lügen, als uns bewusst ist.

Die Gründe dafür sind sehr vielfältig: Wir lügen aus Angst vor Konflikten oder um anderen nicht weh zu tun. Wir lügen, um uns zu schützen oder um uns zu verteidigen. Oft auch, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen: „Davon habe ich nichts gewusst!“, sagen wir schnell. Wir lügen, um freundlich und anständig erscheinen wollen. Oder auch aus Scham. Manchmal geht es auch um den eigenen Vorteil oder um eine Geschichte etwas aufzupeppen und interessanter zu machen.

Doch alle Lügen haben eines gemeinsam: Wer lügt, setzt Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufs Spiel. Die Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut. Wenn sie zerstört ist, lässt sie sich nur sehr schwer wiederherstellen – wenn überhaupt. Wo sich Misstrauen ausbreitet, wird das Leben schwer. Jedes Wort wird dann kritisch hinterfragt: Kann ich das glauben? So etwas stört das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, zwischen Kolleginnen und Kollegen, zwischen Mitschülern oder Freunden.

„Du sollst nicht lügen“ heißt es in der Bibel in den 10 Geboten (2. Buch Mose 20 Vers 16). Das meint: Bleib glaubhaft in dem, was du sagst oder tust, damit man dir vertrauen kann.

Glaubwürdigkeit und Vertrauen wachsen nur langsam und können schlagartig zerstört werden. Wahrheiten machen das Leben klarer und sind daher hilfreicher als falsche Höflichkeiten. Deshalb will ich versuchen, noch behutsamer mit meinen Worten umzugehen und lieber einmal den Mund halten, statt höflich zu lügen.

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