Kreuz Wort Rätsel
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Kreuz Wort Rätsel

Thomas Zels
Ein Beitrag von

Thomas Zels,

Pastor, Freie evangelische Gemeinden Marburg

Manche Sachen haften jahrelang im Gedächtnis. Bei Ostern zum Beispiel sollte ich ja eigentlich an den kirchlichen Feiertag denken. Aber mir fällt da auch immer der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger ein. Es war in den 80er Jahren im Fernsehen. Da grübelt er als Telegrafenbeamter über einem Kreuzworträtsel. Senkrecht, ein Grautier mit vier Buchstaben. Vorn das E und hinten das EL hat er schon. Aber weil er einfach nicht auf Esel kommt, und IGEL sich ja eher mit I schreibt, entscheidet er sich für EGEL. Obwohl ihm das komisch ist. Der kirchliche Feiertag waagerecht mit sechs Buchstaben müsste dann OGTERN heißen. Ogtern? Kennt er nicht.

Dämliches Kreuzworträtsel, nuschelt er mit seinem Schweizer Dialekt. Danach werden Kreuzworträtsel und Sketch immer chaotischer und lustiger. Emil Steinberger wurde vor 30 Jahren in Deutschland bekannt durch seine TV-Auftritte, ist aber immer noch im Gedächtnis vieler. Vor kurzem las ich in einem Chat auf die Frage, woher das Wort Ostern komme, die augenzwinkernde Antwort: Es muss „Ogtern“ heißen mit G, wegen dem EGEL… So ist das mit Kreuzworträtseln. Wenn man sich einmal vertut, wird alles schief.

So ist das vielleicht aber auch mit dem Osterfest selber. Auf der Straße nach der Bedeutung von Ostern gefragt, sagten viele Passanten: Verlängertes Wochenende, Frühling, alles umdekorieren, Eiersuchen, Spazierengehen, endlich der kalten Jahreszeit entkommen und solche Sachen. Ist das Ostern? Eigentlich nicht. Aber manche wissen eben nur noch, dass sie am nächsten Wochenende vorn und hinten länger frei haben. Denn Karfreitag und Ostermontag sind Feiertage. Zeit, sich mit der Familie oder Freunden zu treffen. Oder mal wieder richtig zu chillen. Und da der astronomische Frühlingsanfang immer rund um Ostern beginnt, wird Ostern auch gern als Frühlingsfest gefeiert. Die steigende Lichtintensität im Frühling sorgt ja wirklich für ein besseres Befinden. Endlich geht die dunkle Jahreszeit zu Ende. Die Winterdeko kann weg. Naturliebhaber und Wanderer zieht es vermehrt ins Freie. Das alles ist toll und jedem zu gönnen.

Aber das hat eigentlich mit Ostern nicht allzu viel zu tun. Mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die sogenannte Karwoche im christlichen Jahreskalender, die uns die beiden höchsten Feiertage der Christenheit beschert: Karfreitag und Ostern. Aber was bedeuten diese Tage eigentlich?

Die Woche vor Ostern, die Karwoche, ist Abschluss und Höhepunkt der vorösterlichen Fastenzeit und seit vielen Jahrhunderten die wichtigste Woche des christlichen Kirchenjahres. Kar stammt vom althochdeutschen Wort "kara" und bedeutet Kummer, klagen oder trauern. Die Christen rücken in dieser Zeit das Leiden und Sterben Jesu in den Mittelpunkt ihrer Gedanken.

Denn die Bibel sagt, dass er all seine Strapazen für uns und unsere Distanz zu Gott auf sich nahm. Seitdem haben wir einen Gott im Himmel, der sich mit allen Menschen versöhnt hat. Eine gewaltige Botschaft. Die Karwoche war deshalb noch bis in die 1950er-Jahre in weiten Teilen Deutschlands eine sogenannte „stille“ Zeit, in der öffentliche Partys nicht stattfinden sollten. Heute ist nur noch der Karfreitag ein gesetzlich geschützter stiller Tag. In vielen Kirchen sollen aber weiterhin in der ganzen Woche kirchliche Trauungen nicht stattfinden. Sie empfehlen ihren Mitgliedern, nicht an Tanzveranstaltungen oder sportlichen Events mit Schankbetrieb, und Veranstaltungen zur Unterhaltung teilzunehmen. Mindestens am Karfreitag müssen Feierwillige dann überall die Füße stillhalten. Auch Theater und Opern berücksichtigen in ihrem Spielplan den Karfreitag. In Bremen bleibt die traditionelle „Osterwiese“, ein Volksfest mit Fahrgeschäften, geschlossen, ebenso in Hamburg der „Frühlingsdom“.

In Hessen herrscht schon am Gründonnerstag zwischen 4 und 24 Uhr Tanzverbot. Karfreitag und Samstag geht es komplett still zu. Erst am Ostersonntag ab zwölf Uhr darf wieder Stimmung gemacht werden.

Gegen diese Feiertagsgesetze regt sich natürlich auch Protest. Zum Beispiel in Stuttgart, wo es am Karfreitag ein „Abzappeln gegen das Tanzverbot” gibt. Da treffen sich die Demonstranten mit Kopfhörern und tanzen eben still zu ihrer Musik.
Die Kirchen betonen weiter die Bedeutung des Karfreitags. So sagt Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass es eine solche Zumutung sein soll, an einem Tag in diesen 365 Tagen des Jahres einmal nicht zu feiern.“

Aber die Frage bleibt: was soll das alles? Ist das noch angemessen? Und wie kann man den tieferen Sinn dieser Tage vermitteln?

Die ernste Stimmung von Karfreitag ist vielen Menschen fremd geworden. Warum trauern, wenn ich frei habe? Ostern ist da schon positiver, weil hier eine Hoffnung gefeiert wird, die viele ohnehin für sich hegen. Einmal Grenzen überwinden. Neu anfangen ohne Altlasten. Lust auf Leben haben ohne den täglichen Überlebenskampf. Endlich irgendwo zuhause sein, ohne Druck. Nicht geduldet, sondern willkommen.

Im Osten geht die Sonne auf. Daher kommt das Wort Ostern. Der Sinn ist: da zeichnet sich was Tolles für uns am Horizont ab. Irgendwann wird´s hell. Egal, wie düster die Nacht war. Das Herkunftswörterbuch des Duden leitet Ostern vom altgermanischen Austro, „Morgenröte“ ab. Eventuell wurde so mal ein germanisches Frühlingsfest bezeichnet, das sich im Althochdeutschen zu ōstara fortbildete.

Möglicherweise haben die Christen dieses Fest irgendwann vor dem Mittelalter „umgetauft“ zum christlichen Osterfest, weil die Morgenröte und auch der Frühlingsanfang ein gutes Symbol für die Hoffnung des christlichen Glaubens sind. Hoffnung auf Wiedervereinigung mit Gott und ein erneuertes, ewiges Leben. Dass das möglich ist, will uns die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zeigen.

Karfreitag und Ostern gehören zusammen. Der Apostel Paulus schrieb allerdings schon den ersten Christen, dass das Wort vom Kreuz in den Augen der einen völliger Unsinn ist, und in den Augen anderer DIE Kraftquelle schlechthin. Und er schrieb auch, worin diese Kraft besteht. Wie Phönix aus der Asche, so kann ein Mensch mit Gottes Hilfe erneuert aus den Trümmern oder Überresten seines Lebens auferstehen. Zu schön, um wahr zu sein?

Ich denke nicht. Die Gegenwart Gottes ist zwar unsichtbar, wird von vielen aber als real erlebt. Warum sollte man sonst beten? Oder auf Gottes Hilfe hoffen?

Zugegeben, der Sinn von Karfreitag und Ostern ist nicht leicht zu verstehen. Das war wohl schon immer so. Es ist nur wie bei Emils Kreuzworträtsel: Wenn ich einmal was Falsches eingetragen habe, komme ich auch mit dem Rest nicht mehr klar.

Das Leben beschert uns nicht nur angenehme und glückliche Tage, sondern auch Leid und Unglück, Verzweiflung und am Ende den Tod. Jeder weiß das. Wir blenden das nur gerne aus. Aber all dem hat Jesus sich auch ausgesetzt und bis zum Ende durchlitten. Und er ist ins Leben zurückgekehrt. Seit jenem ersten Ostern vor bald 2000 Jahren haben Christen erfahren, wieviel Kraft zum Leben daraus entstehen kann, wenn ich ihm vertraue. Und das gilt auch noch heute.

Karfreitag bringt uns Entlastung vor Gott. Und Ostern die Chance auf einen Neubeginn mit Gottes Hilfe. Das Kreuz-Wort-Rätsel geht auf.
 

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