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Könnte sein, dass er Recht hat
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Könnte sein, dass er Recht hat

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Nicht mein Tag, weiß er schon beim Waschen. Ihm fällt die Seife runter, es glitscht auf dem Boden, er rutscht und fällt fast hin. Beim Kaffee kochen fällt der Filter um. Da ist er sicher: es ist nicht sein Tag. Er wohnt sehr bescheiden, hat wenig Geld. Kommt gerade so hin im Monat. Heute muss es Bier sein beim Einkauf. Eine Flasche leistet er sich. Die tröstet vielleicht. Im Supermarkt geht alles glatt. Er kauft das Nötigste: Brot, Käse, Margarine. Unter zehn Euro muss es sein. Und eine Flasche Bier. Auf die freut er sich. Er trägt die Flasche in der Hand, das Essen in der Tasche. So geht’s raus auf den Parkplatz. Da ist Leben. Und eine kleine Stufe, die er übersieht. Um nicht zu fallen, wedelt er mit dem Arm und hält das Gleichgewicht. Was er auch schafft. An die Flasche Bier in der Hand denkt er nicht mehr. Er ist sich wichtiger. Die Flasche fällt ihm aus der Hand, klatscht auf den Boden. Dort zerplatzt sie. Weißer Bierschaum läuft aus. Seinen Fluch lassen wir jetzt aus. Es ist eben nicht sein Tag. Dann sagt er zu der Frau, die neben ihm steht und alles mit ansieht: Wenn der liebe Gott will, dass ich weniger trinke, dann hat er’s jetzt geschafft.

Könnte sein, dass er Recht hat. Und auf einmal einen Wink sieht. Wie vom Himmel. Gott bläst ja nicht wie Sturm ins Leben. Meistens nicht. Er bleibt eher leise. Und scheint dazwischen. In so ganz kleinen Lichtern scheint Gott, die uns froh machen oder nachdenklich oder wehtun. Je nachdem. Wenn’s sein muss, sogar mit einer Bierflasche, die kaputt geht. Und ein Zeichen ist, das verstanden wird. Damit es doch sein Tag werden kann.

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