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Jom Kippur
Foto: pixabay / hurk

Jom Kippur

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Pastoralreferentin im Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität, Frankfurt
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Was ist für Sie der wichtigste Feiertag im Jahr? Weihnachten, Ostern oder doch der eigene Geburtstag? Für gläubige Juden ist der wichtigste Festtag heute, Jom Kippur, das Versöhnungsfest, das dieses Jahr auf den 9. Oktober fällt. Allerdings feiern Jüdinnen und Juden heute kein rauschendes Fest, mit üppigem Mahl und glitzernder Festkleidung….nein, eher im Gegenteil: Es ist ein Tag, an dem gefastet und gebetet wird, an dem der Toten gedacht und über das eigene Leben nachgedacht wird. Ein ruhiger besinnlicher Tag. In Israel kommt das Leben auf der Straße und der Verkehr zum Stehen, alle Läden sind geschlossen.

Das jüdische Jahr ist gerade mal 10 Tage alt. Von den meisten von uns unbemerkt hat vor 10 Tagen, am 30. September, mit dem Fest Rosch-hashana ein neues jüdisches Jahr begonnen, übrigens das Jahr 5780. Die ersten zehn Tage des neuen Jahres sollen Zeit geben zur Besinnung und dafür, Konflikte zu lösen und sich bei denen, denen man etwas angetan hat, zu entschuldigen. Der Höhepunkt dieser Tage ist der Jom Kippur: Versöhnung mit Gott und mit den Menschen - um das Jahr, das vor einem liegt, mit reinem Herzen, klaren Gedanken und guter Verbindung zu Gott zu beginnen. Und dann beginnen auch schon die Vorbereitungen für das baldige Laubhüttenfest, Sukkot.

Also, bei unseren jüdischen Nachbarn, auch hierzulande, ist das gerade eine sehr intensive Zeit.

Eine der Lesungen, die am Morgen des Jom Kippur, also heute früh, in der Synagoge vorgelesen werden, stammt aus dem Prophetenbuch Jesaja und spricht klare Worte: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke der Unterdrückung zu lösen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen. Wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und dem, der deines Fleisches ist, entziehe dich nicht. Dann wird wie die Morgenröte dein Licht anbrechen und deine Heilung rasch aufsprießen, deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit des Ewigen wird dich aufnehmen.“

Auch Jesus kannte diese Worte gut und Christen hören sie traditionell im Aschermittwochs-Gottesdienst am Beginn der Fastenzeit. Aber es ist ja gar nicht verkehrt, auch mitten im Jahr mal angestoßen zu werden mit solchen prophetischen Worten.

Jetzt wünsche ich aber erst mal allen jüdischen Nachbarn einen guten Jom Kippur.

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