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Advent - Was erwarte ich eigentlich?
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Advent - Was erwarte ich eigentlich?

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt

Was erwarte ich eigentlich für die Zukunft? Darüber mache ich mir im Alltag eher selten Gedanken. Meistens bin ich zu sehr mit dem Naheliegenden beschäftigt. Aber natürlich habe ich Erwartungen. Sie wirken sich im Stillen aus, jeden Tag. Denn es lebt sich anders, ob ich eher optimistisch bin, also Positives erwarte. Oder ob ich pessimistisch in die Zukunft schaue. Der Advent ist Erwartungszeit. Er stellt die Frage: Was erwartest du eigentlich?

Eine erste Antwort ist ganz naheliegend: Weihnachten. Nur noch 15 Tage, dann ist es soweit. Die Frage reicht allerdings weiter: Was erwarte ich für mein weiteres Leben, für meine Familie, für Hessen, für die Welt? Oder noch viel weiter gedacht: Wo führt das alles am Ende hin? Wir können ja gar nicht anders denken, als dass alles irgendwann einmal zu Ende geht. So wie es dafür auch einen Anfang gab. Das lässt niemanden los. Das macht Angst. Das stellt Fragen: Was kommt dann? Was habe ich danach zu erwarten? Darauf antwortet der Advent. Und er tut es mit einem Leuchten. Denn der Advent hat eine großartige Erwartung im Gepäck. Der Prophet Jesaja sagt voraus: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell. Du, Gott, weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude.“ (Jesaja 9,1)

Das sind große Worte, sie wecken Erwartungen, machen Mut. An alle, die im Dunkeln tappen: Kopf hoch, ihr werdet Licht sehen. An alle, die Schwarz sehen: Kopf hoch, alles wird gut.

Das klingt schön, vielleicht aber auch zu schön, um wahr zu sein. Denn es gibt so vieles, um das man sich Sorgen machen muss. Etwa um die Menschen, die nicht genug zu essen haben oder die keine passende Wohnung finden. Oder um die Opfer von Anschlägen, Gewalt und Krieg. Gewaltbereitschaft und Egoismus scheinen wieder auf dem Vormarsch zu sein. Es gibt genügend Gründe, pessimistisch auf die Welt zu schauen. Der Mensch ist von Natur aus ohnehin eher ein Schwarzseher. Im täglichen Überlebenskampf war es schon immer eine gute Überlebensstrategie, stets mit dem Schlimmsten zu rechnen. Dann war man vorbereitet und konnte sich schützen. Glücklich macht es allerdings nicht, die Welt überwiegend düster zu sehen.

Es geht auch anders. Das beweist der Sänger Mark Forster, offenbar ein unerschütterlicher Optimist. Er ist davon überzeugt, dass alles gut wird. Jedenfalls singt er das in einem Song, der häufig im Radio läuft. Er trägt den Titel „Sowieso“ und sein Refrain klingt so:

Musik: Mark Forster "Sowieso" - Refrain

Egal was kommt, es wird gut, sowieso. Immer geht 'ne neue Tür auf, irgendwo. Auch wenn's grad nicht so läuft, wie gewohnt. Egal, es wird gut, sowieso.

Ein schöner Song. Gerne möchte man ihm glauben und sich anstecken lassen von seinem optimistischen Schwung: „Alles wird gut – sowieso“. Mark Forster macht Mut. Mit diesem Song und auch mit vielen anderen. So ist er eben: ein positiver Typ. Markenzeichen: Schirm-Kappe, Brille, Vollbart und mittendrin ein entwaffnend charmantes Lächeln.
Unter den deutschen Sängern, die derzeit die Charts beleben, ist er nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch der Optimist vom Dienst.

Seinen Song kann man natürlich naiv finden. Sicher weiß auch Mark Forster um die drängenden Probleme der Welt. Vielen Menschen geht es nicht gut. Und das wird vermutlich auch in Zukunft noch so ein. Insofern könnte man Mark Forsters Song als Schönfärberei abtun, als billige Vertröstung auf den Sankt-Nimmerleinstag.

Aber vielleicht steckt doch mehr dahinter: Die Ahnung von einer Zuversicht, die Menschen selbst weder erzeugen noch garantieren können. Und das müssen sie auch gar nicht, denn sie wird ihnen geschenkt. Von dieser Zuversicht spricht der Prophet Jesaja so: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen, die im Dunkeln wandeln, wird es hell.“

Was gibt dieser Vision Gewicht? Was macht sie glaubhaft? Nun: Es ist eine Ansage Gottes. Christen kennen dafür zudem noch einen konkreten Zeugen: Jesus Christus, dessen Geburt mit dem Weihnachtsfest gefeiert wird. In ihm zeigt Gott der Menschheit: „Seht her, ich komme zu euch. Ja, ich werde sogar einer von Euch. Damit ihr meine Liebe spürt, will ich mit euch leben und sterben. Für euch will ich den Tod überwinden. Ihr werdet nicht vergehen wie die Welt, sondern in Ewigkeit leben.“ Oder, ganz kurz gesagt und mit den Worten Mark Forsters: Alles wird gut.

Wie Mark Forster zu diesem Jesaja-Wort steht, weiß ich nicht. Aber sein Song handelt von einem Typen, zu dem es bestens passt. Diese unerschütterliche Zuversicht hat er ja nicht, weil für ihn alles ganz toll liefe. Im Gegenteil. Der Song handelt von einem Tollpatsch, dem im Leben nicht viel gelingt. Kein Glückspilz und keine Siegertype.
Aber einer mit echten Stehauf-Qualitäten. Einer, der in sich ruht und darauf vertraut, dass es immer weiter geht – bis am Ende eben alles gut wird.

 Mark Forster "Sowieso" - Strophe 1

Ey stranges, kleines Leben. Verläuft auf Seitenwegen. Ich such' die Mitte, doch mein Glück liegt meist daneben. So selten Flugrakete, bin mehr so Zugverspätung. Doch die Ernte kommt immer. Mann, es ist gut gesät und ich hab kein Stress mit warten. Geh' auch durch schlechte Phasen. Ich bin geduldig und nehme zum Schluss die besten Karten. Und fällt der Jenga Turm, egal gib' mir Verlängerung. Halt neuer Plan dann, denn Leben ist Veränderung.

Er ist wirklich ein unerschütterlicher Optimist, der Mensch in diesem Song. Darin steckt sicher auch etwas von Mark Forsters eigenem Vertrauen in das Leben. Er beschreibt es mit einem Bild, das aus der Bibel vertraut ist: Es ist gut gesät, nun heißt es warten und vertrauen. Damit lassen sich auch schlechte Zeiten und magere Jahre überdauern. Woher nimmt man einen solchen Optimismus?

Dafür sehe ich drei gute Gründe. Zumindest den ersten finde ich im Song von Mark Forster: Das ist die enorme Kraft zum Durchhalten, die in den meisten Menschen steckt. Die Stehauf-Qualitäten, mit denen viele nach Rückschlägen und nach Tiefschlägen doch immer wieder auf die Beine kommen. Dazu gehört auch, dass Menschen fähig sind zu lieben: Sich selbst, die eigene Familie, die Freundinnen und Freunde, das Leben insgesamt und damit auch die Menschheit.

Wer so liebt, möchte, dass die Welt einen guten Verlauf nimmt. Möchte mitwirken daran, dass alles gut wird. Und davon gibt es viele. Sie alle möchten helfen die Probleme zu lösen, die es derzeit gibt.

Den zweiten Grund für Optimismus findet man, wenn man sich die Realität genauer anschaut. Dabei kann ein Buch helfen. Es trägt den Titel „Frohe Botschaft“. Das klingt zunächst nach Bibel. Doch der Untertitel lautet „Es steht nicht gut um die Menschheit. Aber besser als je zuvor“. Darin schreibt der Politikwissenschaftler Walter Wüllenweber, dass die Welt in den vergangenen 30 Jahren immer besser geworden ist. Vor 25 Jahren sind noch mehr als doppelt so viele Kinder gestorben wie heute. Die Zahl der Hungertoten ist insgesamt sogar um 99 Prozent gesunken. Und in den 1980er Jahren war die Gefahr Opfer eines Anschlags zu werden, größer als heute. Demokratie ist aufs Ganze gesehen weltweit eher auf dem Vormarsch, nicht die Diktatur. Man muss nur überall offen hinschauen, schreibt der Autor, statt sich auf die Krisenherde zu fixieren. Die düstere Schau ist nicht die ganze Wahrheit. Auch nicht die Worte der Angstmacher und Wutschürer. Natürlich ist nicht alles gut, gibt auch Wüllenweber zu. Aber vieles entwickelt sich in die richtige Richtung. Deshalb, findet er, haben wir gute Gründe, positiv nach vorne zu schauen. Weihnachten werden in diesem Jahr mehr Menschen im Frieden und ohne Hunger erleben als in den Jahrzehnten zuvor.

Den dritten Grund für einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft bietet der Prophet Jesaja mit seiner Vision: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ Darin steckt eine Zuversicht, die über allem leuchtet und die hinter allem steht. Sie gilt auch dann noch, wenn alles andere tatsächlich am Ende zu sein scheint. Wenn es keinen anderen Grund mehr geben sollte für die Zuversicht, dann gilt immer noch Gottes Wort: Alles Leben hat in Gott seinen Platz und seinen tieferen Grund – immer und für immer.“ Insofern: Alles wird gut – sowieso.

Mark Forster "Sowieso" - Refrain 

Egal was kommt, es wird gut, sowieso. Immer geht 'ne neue Tür auf, irgendwo. Auch wenn's grad nicht so läuft, wie gewohnt. Egal, es wird gut, sowieso.

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