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Warum "mehr sein" gut, aber nicht alles ist.
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Warum "mehr sein" gut, aber nicht alles ist.

Pia Baumann
Ein Beitrag von

Pia Baumann,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt-Bockenheim

Am Montag fand unter dem Motto „Wir sind mehr“ ein Benefiz-Konzert in Chemnitz statt. Die Chemnitzer Band „Kraftklub“ hatte es spontan ins Leben gerufen. Die Musiker wollten eine Zeichen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz. Mit dabei waren auch die „Toten Hosen“, Marteria, Casper und viele mehr. Die Konzertbesucher kamen nicht nur aus Chemnitz oder Sachsen. Tausende aus reisten von weiter an. Auch noch Stunden nach Konzertbeginn strömten Menschenmassen in die Chemnitzer City. Am Ende waren rund 65.000 Menschen dem Aufruf der Musiker gefolgt. Eine beeindruckende Zahl.
# Wir sind mehr – seit dem Konzert in Chemnitz ist das zu einer Art Losung geworden. Der Satz soll für Menschen stehen, die sich einsetzen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit.
Mittlerweile kann man auch sein Profilbild auf Facebook so kennzeichnen. Wer das macht, bezieht klar Position gegen „rechts“. Von meinen Facebook-Freunden zeigt das fast jeder Zweite.
#Wir sind mehr. Ich frag‘ mich: „Mehr sein“ ist zwar oft gut. Aber reicht das schon?
Der Sänger von Kraftklub Felix Brummer sieht das ähnlich, wenn er sagt: "Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet." Doch manchmal sei es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist, mit dem, woran man glaubt.
In Spangenberg in Nordhessen haben diese Woche Schüler der Burgsitzschule eine Demo organisiert. Ihr Motto war „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ Jasmin ist Schülervertreterin und sagt: „Gewalt und Ausgrenzung, das geht gar nicht. Das geht nicht in Chemnitz und nicht bei uns in Spangenberg. Da tun wir was dagegen“. Ich finde das großartig. Ich weiß nicht, ob die Schüler in Spangenberg „mehr sind“, aber sie sind mutig. Sie zeigen, wofür sie einstehen.
Zeigen, wofür man steht. Das ist wichtiger denn je. Aber dabei ist „mehr sein“ nicht alles, worauf es ankommt. Sagt die Bibel. Manchmal braucht es nur zwei oder drei Menschen. Wenn die in Jesu Namen zusammen sind, dann ist er mitten unter ihnen. Und mit ihm das, woran Jesus geglaubt hat: Jeder Mensch ist von Gott geliebt. Und gleich viel wert, egal wo er her kommt und egal, wie er aussieht. Liebe ist stärker als jeder Hass.
Mir macht das Mut. Gerade für den Alltag. Es stärkt den Rücken zu wissen: Ich bin nicht allein. Da sind tausende Menschen auf einem Konzert in Chemnitz, hunderte Schüler in Spangenberg, zig Freunde auf Facebook, zwei oder drei in Jesu Namen. Egal wie viel wir sind – auf die Haltung kommt es an.

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