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Trauer
Bildquelle pixabay

Trauer

Ein Beitrag von

Jochen Straub,

Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg
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Vor einiger Zeit war ich einmal auf einer Landesgartenschau. Es war ein großer Park mit ganz vielen Bäumen und Blumen, unendlich viel Grün. Als Gartenliebhaber konnte ich mich erfreuen an den schönen Blüten mit ihrem Duft, an den schön geschnittenen Sträuchern und an den großen Bäumen. Aber mitten in dieser bunten Gartenschau hat mich ein ganz besonderer Kranz am meisten beeindruckt. Er war gerade nicht hell und bunt, sondern vor allem: schwarz. Der untere Teil bestand komplett aus Holzkohlen. Oben auf dem Kranz aus schwarzen Holzkohlen war eine dünne Schicht Moos. Und darauf kunstvoll drapiert mehrere Blumen, giftgrüne Stängel hatten diese Blumen. Die Stängel endeten in einer violetten trichterförmigen Blüte. Calla heißt diese Blume.

So ist Trauer, habe ich mir bei diesem ungewöhnlichen Kranz gedacht. Erst mal ist alles nur schwarz.  Alles ist anders. Ich erinnere mich an liebe Menschen aus meiner Familie, um die ich trauern darf und durfte: Meinen Großvater, meinen Vater. Freunde und Arbeitskollegen. Ich denke aber auch an traurige Situationen aus meinem Leben, die kleinen und großen Katastrophen, zum Beispiel, als damals unser Haus gebrannt hat. Ich denke an schwere Krankheiten bei Menschen, die ich liebe.

Jesus hat zur Trauer etwas Schönes gesagt. In meinen Worten lautet es: „Jetzt bist du traurig. Jemand kommt. Jemand ist bei dir. Jemand tröstet dich. Das tut gut.“

Diese Worte Jesu machen mir Hoffnung, selbst wenn alles schwarz ist. Jemand kommt. Jemand schaut mir in die Augen. Jemand kommt und legt seine Hand auf meine Schulter. Jemand sagt sein Wort in meine Stille. Das ist ein Segen. Und so habe ich es auch erlebt: Menschen sind gekommen. Wir haben uns in der Familie getröstet. Wir haben einander Mut gemacht. Freunde waren da, wenn ich sie brauchte. Hände waren da, die zugepackt, aber auch gehalten haben.

Ich bin froh, dass es nicht nur der schwarze Kranz ist und das Moos darüber, sondern dass es auch diese leuchtend grünen Stängel gibt mit der lila Blüte. Und wenn ich genau hinschaue, finde ich in der Blüte einen gelben Fruchtkörper. Er leuchte mich an. Er sagt mir: Bei all dem Traurigen und Dunklen gibt es auch das Licht im Dunkel. Wenn das kein Zeichen für Trost und Hoffnung ist!

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