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Starke Frauen
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Starke Frauen

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt
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Zu meinen Lieblingserzählungen der Bibel gehört eine Geschichte von Jesus aus dem Markusevangelium. Ein Mädchen und eine Frau stehen hier im Mittelpunkt. Sie passt für mich heute zum Weltfrauentag. An diesem Tag geht es darum, Mädchen und Frauen stark zu machen.

In der biblischen Geschichte kennen sich das Mädchen und die Frau nicht. Gemeinsam ist ihnen: Sie sind beide schwer krank. Das Mädchen hat einen Vater, der sich kümmert. Er fleht Jesus an, seiner Tochter zu helfen. Während Jesus auf dem Weg zu der Familie des Mädchens ist, tritt die kranke Frau an ihn heran, sie war Jesus gefolgt. Genauer, sie berührt ihn heimlich von hinten. Seit zwölf Jahren hat sie ständige Blutungen. Ein schwieriger gynäkologischer Fall. Für sie gibt es kaum Heilungschancen, außerdem gilt sie mit ihrer Krankheit als unrein. Alles hat sie versucht, ihr gesamtes Vermögen eingesetzt, aber die Ärzte sind ratlos. Jetzt berührt sie Jesus heimlich. Das ist ihr als „Unreiner“ eigentlich nicht erlaubt. Und dann heißt es im Text lapidar: Sie wurde geheilt. Dabei geht es nicht um eine Art Magie, das wird schnell klar.

Jesus hat die Berührung der Frau gespürt und dreht sich um. Auch wenn er dringend erwartet wird bei dem Mädchen in Lebensgefahr, fragt Jesus: Wer hat meine Kleider berührt? Und die Frau erzählt ihm ihre ganze Geschichte. Jesus antwortet ihr: „Dein Glaube hat Dich gesund gemacht! “

Als Jesus endlich bei dem Mädchen ankommt, ist der Tod inzwischen eingetreten. Die Familie ist verzweifelt. Doch Jesus geht zu dem Bett des Kindes und spricht das Kind an: Talita kum – Steh auf! Und das Kind steht auf. Ein zweites Wunder.

Bei diesen Wunderberichten geht es zwar auch um die heilende Kraft von Jesus. Doch noch mehr fasziniert mich, dass Jesus den einzelnen Menschen sieht. Jesus lässt sich von ihnen berühren: Dem verzweifelten Vater, der hoffnungslosen Frau. Und er wendet sich ihnen zu: Dreht sich nach der Frau um und nimmt das Kind bei der Hand.

Das ist wie ein Gespräch ohne Worte. Das heilt. Es geht nicht immer um eine echte körperliche Berührung, sondern eher um einen seelischen Vollzug: Ich sehe Dich, ich höre Dich, ich bin für Dich da! Steh auf!

Als Seelsorgerin erlebe ich oft, wie allein das Menschen neue Energie und Lebensmut gibt. Wenn jemand Anteil nimmt, auf den anderen eingeht. Das macht stark. In jedem Menschen schlafen Kräfte, die geweckt werden können. Eine Art göttlicher Funke. Unsere Möglichkeiten, sie zu wecken, sind größer, als wir oft denken.

Heute am Weltfrauentag geht es um die Lebenssituation von Frauen weltweit. Aufstehen gegen Unrecht, Mut fassen, kämpfen für die körperliche Gesundheit und das Leben der eigenen Kinder. Oft braucht das eine Berührung, eine Ermutigung, die Frauen stark macht. Du hast ein Recht auf ein Leben in Achtung und Würde.

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