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Selig, die Frieden stiften

Selig, die Frieden stiften

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Heute vor 74 Jahren ist er zu Ende gegangen, am 8. Mai 1945: der Zweite Weltkrieg. Mit über 60 Millionen Toten. Das Leid, das von diesem Krieg ausging, das kann ich mir kaum vorstellen, es muss unermesslich gewesen sein. Ich muss nur an das Leid denken, das allein meine Familie erleben musste, meine Eltern und Großeltern. Mein Vater, der als kleiner Junge nach dem Fliegerangriff aus dem Keller geschickt wurde, um zu sehen, ob das Haus noch steht. Und meine Mutter, die als Zwölfjährige aus Oberschlesien geflohen ist, im Januar 1945, mit fünf Geschwistern, die jüngsten, die Zwillinge, waren gerade ein halbes Jahr alt. Meine Mutter hat uns Geschichten erzählt von den Großmüttern, die sich in Todesgefahr vor ihre Kinder gestellt haben. Und von den Erdhütten, in denen sie als Flüchtlinge in Österreich gehaust haben. Vom schrecklichen Hunger 1945.

Es klingt komisch, aber ich bin auch fast froh, dass ich mir das alles kaum vorstellen kann: weil ich es eben nicht erleben musste. Ich weiß nicht, wie Kriegsangst und –hunger sich anfühlen. Seit 1945 leben wir in Europa weitgehend im Frieden. Was für ein Glück ist das. Was für ein Segen. Und zugleich ist dieser Frieden nichts, worauf wir uns ausruhen dürfen. Er ist ja nie vollkommen sicher. Und wenn ich heute nationalistische und populistische Politiker in Europa reden höre, gerade jetzt vor der Europawahl, dann flackert in mir manchmal die Angst auf, es könnte auch wieder andere Zeiten geben. Ich bin deshalb überzeugt: Sich für den Frieden einzusetzen, das ist eine Aufgabe für jede und jeden von uns.

Für den Frieden im Kleinen. Der fängt ja schon im Bus oder in der S-Bahn an. Wenn ich eben nicht den Ellbogen ausfahre und stattdessen jemand anderen vorlasse, wenn ich nicht grimmig schaue, sondern lächele. So fängt Frieden an und so breitet er sich aus. Und ich kann durchaus auch was für den Frieden im Großen tun. Demonstrieren zum Beispiel oder unterschreiben gegen Waffenlieferungen in Krisengebiete wie den Jemen.

„Selig, die Frieden stiften", heißt es in der Bibel (Matthäus 5,9). Frieden stiften: Diese Aufgabe bleibt wichtig, und der 8. Mai heute erinnert mich besonders daran.

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