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Röntgenstrahlen
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Röntgenstrahlen

Michael Tönges-Braungart
Ein Beitrag von

Michael Tönges-Braungart,

Dekan, Evangelisches Dekanat Hochtaunus

Eher durch Zufall entdeckte am Abend des 8. November 1895 Wilhelm Conrad Röntgen die besondere Art von kurzwelligen Strahlen, die später nach ihm benannt wurden. Sie gehen durch Festkörper hindurch, scheinbar wie Lichtstrahlen durch Glas.

Ingenieure prüfen Werkstoffe mit den Strahlen; Astronomen erforschen mit ihnen das All; Kunsthistoriker nutzen sie, um das Alter von Gemälden festzustellen. Am Flughafen durchleuchten Sicherheitsleute die Gepäckstücke mit Röntgenstrahlen.

Vor allem aber für die Medizin haben sich mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen ganz neue Möglichkeiten der Diagnostik und der Therapie aufgetan. Krankheiten konnten mit Hilfe der Röntgenstrahlen viel früher erkannt und wirksamer behandelt werden als vorher. Noch vor 50 Jahren hat man Röntgenstrahlen völlig unbefangen eingesetzt. Damals gehörte es zum Service eines guten Schuhgeschäfts, die Füße seiner Kunden mit Röntgenstrahlen zu durchleuchten, um zu überprüfen, ob die Schuhe auch bequem saßen. Als Kind habe ich immer sehr interessiert meine Füße in so einem Apparat betrachtet. Das ist heute unvorstellbar, wo man auch um die gefährlichen Wirkungen der Röntgenstrahlen weiß. Das wurde aber erst nach und nach erkannt, als viele Wissenschaftler, die mit den Strahlen arbeiteten, davon krank wurden. Wilhelm Conrad Röntgen selber starb an Leukämie, die durch die nach ihm benannten Strahlen hervorgerufen worden war.

Heute setzten Ärztinnen und Ärzte die Röntgentrahlen in der Medizin nur sehr kontrolliert und streng dosiert ein. Die Belastung durch die Strahlen wird dadurch möglichst gering gehalten – ihr Nutzen aber bleibt. Sie ermöglichen es, den menschlichen Körper zu durchleuchten und in sein Inneres zu schauen. Gott sei Dank, dass es heute diese Möglichkeiten für Wissenschaft und Technik gibt. Das rettet Leben.

Gott sei Dank aber auch, dass diese Strahlen nur den Körper eines Menschen durchleuchten können und nicht sein Wesen, seine Gedanken und Gefühle, seine Ideen und Träume. Gott sei Dank, dass das allein Gott vorbehalten bleibt. In der Bibel steht in einem Psalm das Gebet: „HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.“ (Psalm 139) Gott durchleuchtet und durchschaut mich – viel umfassender, als das Röntgenstrahlen können. Aber er durchleuchtet und durchschaut mich nicht mit einem technischen Gerät, nicht mit dem nüchternen Blick eines Wissenschaftlers, sondern mit den Augen der Liebe. Gott sei Dank!

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