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Mariä Geburt zieh‘n die Schwalben fort
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Mariä Geburt zieh‘n die Schwalben fort

Prof. Dr. Markus Tomberg
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Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Es wird Herbst, schon seit Wochen sammeln sich Störche und Stare. Für den heutigen 8. September gibt es die alte Regel:

Mariä Geburt zieh’n die Schwalben fort.

Mariä Geburt: Das Fest ist auch im Katholizismus ziemlich außer Gebrauch. In religiösen Kalendern findet es sich noch, im christlichen Alltag spielt es kaum noch eine Rolle. Und den Schwalben ist es vermutlich auch egal, wie der Tag heißt, an dem sie gen Süden aufbrechen.

Dabei steckt in den alten Traditionen viel Potenzial. Maria und die Schwalben – die haben nämlich mehr miteinander zu tun als es scheint. Obwohl Maria oft mit einer Taube, dem Symbol des Heiligen Geistes, dargestellt wird. Lange Zeit galt sie als unerreichbares Vorbild für Frauen, sich ein- und unterzuordnen. Eine Ikone des Patriarchats: Maria als demütige und gehorsame Frau, selbstlos und opferbereit bis zur Selbstverleugnung.

Dabei kann man Maria auch ganz anders verstehen. Die Bibel legt ihr Worte in den Mund, die aufhorchen lassen. Meist glätten die Übersetzungen diese Stellen. Aber beim genauen Lesen zeigt sich: Maria ist alles andere als lammfromm. Sie war eine Erniedrigte, der Gerechtigkeit widerfuhr. Ein Prototyp der Autonomie. Kein Urbild der Unterordnung!

Mit dem Aufbruch und Wegzug der Störche, Stare und Schwalben hat das wenig zu tun. Der Naturrhythmus ist eine ganz andere Liga, gewissermaßen. Oder doch nicht? Ist die Natur nicht auch eine Erniedrigte, die Schöpfung geschunden, missbraucht, entrechtet? Das Klima aus dem Ruder gelaufen?

Die christliche Tradition hat darauf keine Antwort, aber ein Bild: Maria gilt ihr als Symbol der durch Gott wiederhergestellten Schöpfung. Auch dieser Erniedrigten soll Gerechtigkeit widerfahren. Wir nennen das heute: Klimagerechtigkeit. Die dient dem Überleben von Mensch, Tier und Pflanzen. Von ihr profitieren auch die Schwalben.

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