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Kleine und große Träume
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Kleine und große Träume

Dr. Peter-Felix Ruelius
Ein Beitrag von

Dr. Peter-Felix Ruelius,

Leiter ZB Christliche Unternehmenskultur & Ethik bei der BBT-Gruppe, Koblenz
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Am Ende einer Ausstellung über Träume: Alle Besucher sind eingeladen, ihren ganz persönlichen Traum auf einem farbigen Post-it-Zettel zu notieren und den dann an eine große Wand zu heften. „Jeder Traum ist es wert, dass er festgehalten wird“: So lautet die Einladung. Schnell ist die Wand mit Hunderten Zetteln übersät. Ein vielfarbiges Panorama von menschlichen Träumen und Wünschen, alltäglichen und besonderen. Mich berührt vor allem, dass so viele Menschen in diesem öffentlichen Ausstellungsraum etwas so Persönliches von sich preisgeben. Berufsträume sind dabei, Träume vom kleinen und großen Lebensglück, aber auch Träume von einer guten Welt.

Auf einmal scheint mir diese bunte Wand von Zetteln gar nicht so weit weg zu sein von den Büchern in den Kirchen und Kapellen, in denen man seine Anliegen, Gebete und Sorgen aufschreiben kann. Klar: Ein Gebet ist noch etwas anderes. Und meistens geht es dort ja auch um die großen Themen und Sorgen des Lebens. Aber eines ist doch gemeinsam: Es entsteht eine - wenn auch flüchtige - Gemeinschaft von Menschen. Was ich aufschreibe, das lesen andere und schenken meinem Anliegen vielleicht einen wohlwollenden Gedanken. Und sie begleiten mein Gebet oder meinen Traum für eine kleine Weile. Es tut mir gut, wenn ich weiß, dass jemand mit Sympathie an meinem Leben Anteil nimmt.

Älter und noch berührender sind die so genannten Votivtafeln an manchen Wallfahrtsorten: Oft geht es hier um den Dank für ein überstandenes Unglück, eine geheilte Krankheit, oder auch um den Dank für die Rückkehr aus dem Krieg. Wer an solchen Tafeln vorübergeht und einen Moment innehält, sieht auf einer Wand einen Ausschnitt des Lebens und kann die Anliegen der Menschen vergangener Tage einen Moment lang begleiten.

Wenn ich an solche Orte komme, ob es Traum-Wände sind, die Bücher für Anliegen in Kirchen und Kapellen oder auch solche Votivtafeln sind, dann merke ich: Ich bin gerne Mensch, ganz einfach deswegen, weil ich hier eine Ahnung davon bekomme, dass Menschen miteinander verbunden sind, dass sie ihre Anliegen, Sorgen und Träume miteinander teilen und so auf eine ganz eigene Art Gemeinschaft entsteht.

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