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Junia und der Weltfrauentag
Foto: pixabay / Gini George

Junia und der Weltfrauentag

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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Die Hänge Liguriens am italienischen Mittelmeer leuchten, sobald es ein wenig wärmer wird, in strahlendem Gelb. Es sind die blühenden Mimosenbäume, die dort den Frühling geradezu „ausrufen“. Ankündigen klingt einfach zu schwach. Wissenschaftlich betrachtet sind diese wunderbar blühenden Bäume auch keine echten Mimosen, sondern Silber-Akazien. Aber überall in Italien tragen sie diesen Namen: „Mimose“. Zart und widerständig zugleich sind sie. In ganz Italien bekommen die Frauen heute Mimosen-Sträußchen geschenkt. Heute, am 8. März, ist nämlich der Internationale Frauentag.

Kein Gedenk- sondern ein Kampftag

Mimosen, so sagt man in Italien, sind im Vergleich zu anderen Frühblühern, wie etwa Veilchen, eher erschwinglich und so allen zugänglich – und das ist wichtig bei einem Fest, das seinen Ursprung in der proletarischen Frauenbewegung hat. Da ging es ja gerade um Rechte und Chancengleichheit für alle Frauen.

Chancengleichheit für Frauen noch nicht erreicht

Wo und wann genau der Frauentag seinen Ursprung hat, da gibt es verschiedene Meinungen, eindeutig aber war das Ziel: das Wahlrecht für Frauen und ihre Bürgerinnenrechte. Und es war die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, die sich 1911 besonders für einen Internationalen Frauentag stark gemacht hat. In Deutschland haben Frauen seit gut hundert Jahren das Recht, zu wählen. Aber wir wissen alle: Es gibt auch heute noch einiges zu tun in Sachen Gleichberechtigung!

Bei Frauenrechten ist in der Kirche noch viel Luft nach oben

Genauso klar ist, dass der Weltfrauentag kein kirchlicher Feiertag ist, schon gar kein katholischer. Da ist in Sachen Frauenrechte ja wirklich noch viel Luft nach oben. Andererseits ist der Weltfrauentag auch nicht als Feier- und Danktag entstanden, sondern als „Kampftag“, wie die Frauen damals sagten.

Junia oder Junias?

Ich finde, der 8. März ist auch eine gute Gelegenheit, sich an Junia zu erinnern und ihre Geschichte zu erzählen. Junia war eine christliche Apostelin in Rom. Der Apostel Paulus erwähnt sie zusammen mit Andronikus, der wahrscheinlich ihr Ehemann war. Paulus schreibt in seinem Brief an die römische Gemeinde (Röm 16,7): Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt“. So kann man heute in den meisten neueren Bibelübersetzungen lesen. In älteren Bibelausgaben heißt Junia noch Junias und ist ein Mann. Und das kam so: Bis ins 13. Jahrhundert war klar, dass Paulus da eine Frau und einen Mann grüßen lässt, Junia war ja ein weit verbreiteter Frauenname. Voll Hochachtung sprechen die Kirchenväter von ihr. So schreibt der Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos im vierten Jahrhundert: „Ein Apostel zu sein ist etwas Großes. Aber berühmt unter den Aposteln – bedenke, welch großes Lob das ist. Wie groß muss die Weisheit dieser Frau gewesen sein, dass sie für den Titel Apostel würdig befunden wurde.“[1]

Junia war hochgeachtet unter den Kirchenvätern

Im Mittelalter ändert sich die Perspektive: So eine Frau mit Autorität in der Gemeinde passt nicht ins Bild, und so wird sie kurzerhand zu Junias, also einem Mann. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Bibelforschung mehr mit ihr beschäftigt und diese engagierte Frau wieder sichtbar gemacht. Gut so! Bestimmt gab es einige beeindruckende glaubensstarke Frauen in den frühen Gemeinden, und es ist wichtig, auch ihre Namen zu kennen.

Einen schönen Weltfrauentag heute!


[1]  Zitiert nach Wilhelm Schneemelcher: Neutestamentliche Apokryphen. In deutscher Übersetzung. Mohr Siebeck, Tübingen 1999, Band 2, S. 10
Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer (In epistula ad Romanos commentarius) 32. Homilie, Kap. XVI, V. 5–16

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