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Herbstausrüstung
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Herbstausrüstung

Dr. Peter-Felix Ruelius
Ein Beitrag von

Dr. Peter-Felix Ruelius,

Leiter ZB Christliche Unternehmenskultur & Ethik bei der BBT-Gruppe, Koblenz
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Es ist ja erst wenige Wochen her, da gab es noch ein, zwei sonnige Tage, und es sah in unserem kleinen Garten aus, als ob es brennt: ein leuchtendes Orange und Rot hatte der Fächerahorn zustande gebracht. Man konnte meinen, er hätte den ganzen Sommer über nur für diese wenigen Tage seine ganze Energie aufgespart. Ich stehe da und kann mich nicht sattsehen. Möchte dieses Bild in meinem Inneren fest verankern.
Kurze Zeit später liegt die ganze Pracht am Boden. Ein paar Blätter hebe ich auf und trockne sie. Jetzt, im November, wo kaum noch ein Blatt an den Bäumen ist und die Abende dunkel sind, suche ich nach den Erinnerungen, nach den Bildern, Klängen und Gerüchen, die den Sommer lebendig bleiben lassen.
Ein fast fünfzig Jahre altes Gedicht von Eva Strittmatter liest sich fast so wie eine Anleitung, sich für den Winter gut auszurüsten. „Vor dem Winter“ heißt es; es ist eines ihrer bekanntesten Gedichte:

„Ich mach ein Lied aus Stille
Und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
Geht ein in mein Gedicht.

Der See und die Libelle
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.“

Und etwas später heißt es:

Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter;
Und so vergeh ich nicht.“

Wer auch nur etwas mit der Natur lebt und ihren Rhythmus aufnimmt, für den ist das nachvollziehbar. Man zieht jetzt den Kopf ein, blickt mit Wehmut auf helle und farbige Tage zurück. Im Herzen wächst die Sehnsucht, dass mit dem neuen Jahr auch das Licht wieder zunimmt und man eben nicht vergangen ist, sondern lebt und wieder auf helle und frohe Tage zugeht.
Womit rüsten Sie sich aus für die dunklen Monate? Was nehmen Sie mit als Vorrat? Welche Klänge, welches Licht, welche Bilder, welchen Duft?
Was im November gelingen kann, mag auch eine Lebensübung sein: Das, was im Leben liebenswert und kostbar ist, kann ich mit meiner Erinnerung bewusst einsammeln und aufheben für die Tage mit weniger Licht. „So geh‘ ich in den Winter und so vergeh ich nicht.“

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