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Darf ich Dein Freund sein?
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Darf ich Dein Freund sein?

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Neulich im Kindergarten: „Darf ich Dein Freund sein?“, fragt der Kleine, vier Jahre alt, den Großen, fünf Jahre alt. Und weil der Große nicht gleich antwortet, sagt der Kleine noch: „Ich bring dir morgen auch was mit!“ Als könne man Freundschaft kaufen. Kann man nicht. Das weiß die Erzieherin. Die kennt solche Fragen.

Sie greift ein. So geht das nicht, sagt, sie, du kannst auch ohne Geschenk mit anderen spielen. Dann kehrt ein bisschen Ruhe ein ins Gemüt der Kleinen. Hoffentlich. Ihr Wunsch aber bleibt: Dazugehören, nicht abseits stehen, anderen etwas wert sein. Kaufen kann man das nicht. Manchmal kann man sich das erarbeiten. Besser gesagt: sich erfühlen. Indem man achtsam ist und anderen zuhört. Nicht schon alles weiß, sondern die besondere Not hört. Also das, was gerade diesen einen Menschen bedrückt oder einengt. Man vergisst nie, wer einem aufmerksam zuhörte. Ohne flinke Ratschläge, ohne zu verurteilen.

Jeder Mensch braucht einen, der ihn nicht verurteilt. Oder eine. So sind Freunde. Sie verurteilen nicht. Sie hören zu, wissen einen Rat, machen Vorschläge, urteilen vielleicht auch – aber sie verurteilen nicht. Darum lieben wir sie. Für ihr Verständnis. Verstehen heißt nicht, alles gut zu finden. Es heißt, Nöte zu erkennen. Auch die, die zum Fehler geführt haben. Verurteilen hindert Leben, Verständnis hilft Leben. Im Verständnis eines anderen fühle ich mich eingebettet, buchstäblich. Ich liege weich, atme frei, friere nicht. Und danke meinem Schöpfer, dass es Freunde gibt, Geschenke des Himmels. Die keine Geschenke brauchen, um einfach da zu sein. Mit allem möglichen Verständnis.

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