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Bewahren durch Erneuern – Erneuern durch Bewahren
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Bewahren durch Erneuern – Erneuern durch Bewahren

Prof. Dieter Wagner
Ein Beitrag von

Prof. Dieter Wagner,

Oberschulrat i. K. i. R., Künzell
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Über 40 000 Kilometer reist er durch das heutige Europa. Seine Bücher erzielen in kürzester Zeit Traumauflagen. Und sein Leitmotiv ist damals wie heute bedenkenswert: Bewahren durch Erneuern und Erneuern durch Bewahren. Nein, es handelt sich nicht um einen Politiker und dessen plakativem Wahlslogan. Pieter de Hondt, von dem hier die Rede ist, wurde heute vor etwas mehr als 490 Jahren im damals deutschen Nijmwegen geboren. Wenn überhaupt, ist er besser bekannt unter seinem latinisierten Namen Petrus Canisius. Er ist der erste deutsche Jesuit.
Canisius lebt in einer Zeit des Umbruchs. Das alte Weltbild ist mit der Entdeckung neuer Kontinente ins Wanken geraten. Die Kirche befindet sich in der Gefahr einer inneren Auflösung. Reform ist daher dringend geboten. Petrus Canisius versucht die katholische Kirche von innen her zu reformieren: durch Erneuerung des Klerus‘, durch Jugenderziehung und Öffentlichkeitsarbeit. Damit hat er sich nicht nur Freunde geschaffen. Manche seiner Gegner verunglimpfen seinen Namen und nennen ihn „canis“, zu Deutsch: Hund. Dabei gehörte Petrus nicht zu den Scharfmachern der Gegenreformation. Viel eher ist er durch seine versöhnliche Einstellung und Menschenfreundlichkeit aufgefallen. Typisch für ihn sind überdies sein nüchterner Wirklichkeitssinn und seine unerschütterliche Beharrlichkeit. So ist Petrus Canisius zum Innbegriff der katholischen Reform des 16. Jahrhunderts geworden. Stets ging es ihm um die Erneuerung des Glaubens. Dabei sollten sich die Menschen nicht von der Welt abwenden, sondern sich zur Welt hinwenden.
Canisius befand sich in der Mitte des 16. Jahrhunderts mit ähnlichen Problemen konfrontiert, wie sie sich heute abzeichnen: Orientierungslosigkeit, mangelndes Glaubenswissen und ein Nachlassen praktizierter Gläubigkeit. In Zeiten der Gefährdung, so würde Canisius heute vielleicht sagen, darf man nicht der Versuchung geistlicher Trägheit nachgeben. Im Gegenteil. Es kommt auf die Entschiedenheit des Glaubens an. Glaube braucht Glaubenswissen, Beharrlichkeit und Treue, Glaube braucht auch Mut und Entschiedenheit und nicht zuletzt braucht Glaube Bindung und Kommunikation.
Vieles kann man von Petrus Canisius auch heute noch lernen. Ich bin einmal mehr durch ihn darauf aufmerksam geworden, dass Kirchenreform immer auch bei einem selbst, also mit der Eigen-Reform ansetzen sollte.

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