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Alles hat seine Zeit
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Alles hat seine Zeit

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen
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„Opa, warum legen die Hühner keine Eier?“ Das haben mich meine kleinen Enkeltöchter gefragt. Die sind zweieinhalb und fünf Jahre alt und besuchen uns, die Großeltern, gerne auf unserem kleinen Bauernhof. Tiere beobachten und füttern und vor allem die Eier aus den Nestern holen; das begeistert sie. Doch jetzt waren die Nester ziemlich leer. „Opa, warum?“

„Im Winter legen die nicht so gut“, erkläre ich. „Da sind die Tage kurz; es wird früh dunkel. Die legen lieber, wenn’s hell ist. Und sie finden im Garten jetzt nicht so viel Futter wie im Sommer, wenn sie nach Würmern, Körnern und Steinchen scharren.“

Da schlägt meine ältere Enkelin vor: „Wenn du Licht in den Stall machst und ihnen da ordentlich Futter gibst, dann denken die, es ist Sommer, und dann legen sie mehr.“ Dieser Gedanke meiner Enkelin hat mich überrascht. Sie kennt offenbar schon mit ihren fünf Jahren das Spiel der Manipulation. Das wird ja in der Landwirtschaft gemacht – und nicht nur da.

Man muss nicht immer das Maximale herausholen

In einem Buch über Unternehmensführung habe ich gelesen, dass geschickte Manipulation zur Erfolgsstrategie gehört. Also mit etwas locken, etwas versprechen – schon steigt die Leistung. Aber wozu? Muss man immer Höchstleistung bringen? Manchmal wäre doch etwas Genügsamkeit gut; man muss nicht immer das Maximale herausholen.

Muss an jedem Tag in jedem Hotel oder auf jedem Frühstückstisch ein frisches Ei liegen? Müssen immer alle Nahrungsmittel im Übermaß vorhanden sein und dann werden sie zur Hälfte weggeworfen?

„Wir könnten auch warten, bis die Hühner im Frühling wieder besser legen“, hat meine jüngere Enkelin gemeint. Das Kind hat mich an eine Stelle in der Bibel erinnert. Da steht: „Alles hat seine Zeit, säen und ernten, Sommer und Winter.“ (Kohelet 3) Mich spricht das sehr an: Alles hat seine Zeit, doch Gott hält alle Zeit in seiner Hand. Darum kann ich genügsam sein und mich an dem freuen, was ich jetzt zurzeit habe.

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