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Mitfahrerbank

Mitfahrerbank

Michael Tönges-Braungart
Ein Beitrag von Michael Tönges-Braungart, Dekan, Evangelisches Dekanat Hochtaunus

In einem kleinen Dorf in der Eifel gibt es eine Mitfahrerbank. Weil die Busse nur selten verkehren, ist es gerade für ältere Menschen, die selber nicht mehr Auto fahren, ein Problem, zum Einkaufen zu kommen oder zum Arzt oder aufs Rathaus. Deshalb hat man sich die Mitfahrerbank einfallen lassen: eine ganz normale Parkbank nahe an der Hauptstraße, gut sichtbar. Daneben steht ein Umklapp-Schild, auf dem 5 Fahrtziele in der Umgebung angezeigt werden können. Wer aus dem Dorf heraus mitgenommen werden möchte, nimmt auf der Bank Platz, klappt sein Fahrtziel auf dem Schild um und wartet, bis ein Auto hält. Vielleicht ergibt sich während der Wartezeit noch ein kleiner Schwatz mit der Nachbarin, die ebenfalls auf eine Mitfahrgelegenheit hofft. Für die Autofahrer im Dorf ist es selbstverständlich, dass sie anhalten und die Wartenden mitnehmen, wenn sie dasselbe Ziel haben. Das einzige, was noch fehlt, ist ein Wartehäuschen für die Bank, damit man bei Regen nicht nass wird.

Ich finde die Idee toll und nachahmenswert! So kann man mit relativ wenig Mitteln etwas bewirken und dazu helfen, dass Dörfer attraktiv bleiben. Das Leben auf dem Dorf hat viele Vorteile: Die Nähe zur Natur, die Ruhe (wenn der Nachbar nicht gerade Holz sägt), das Leben in einer kleinen, eher überschaubaren Gemeinschaft, günstige Grundstücks- und Mietpreise. Das sehen viele so, die gerne und bewusst auf dem Land wohnen. Und dafür nehmen sie auch in Kauf, dass sie zur Arbeit pendeln müssen.

Schwierig wird es aber oft mit der Mobilität. Vor allem für die, die kein Auto haben, also z.B. für Jugendliche und manche alte Menschen; und für die, die sich keines leisten können, oder die nicht mehr Auto fahren können. Da fahren die Busse einfach zu selten – zumindest in die kleineren Dörfer. Oder nur zu ungünstigen Zeiten. Natürlich übernehmen die Eltern Fahrdienste für ihre Kinder und tun sich da auch zusammen; und bei den Älteren helfen Nachbarn oder Familienangehörige aus. Aber auch auf den Dörfern sind nicht alle eng in das soziale Netz eingebunden; und auch dieses Netz wird lockerer.

Gut finde ich, wenn man nicht dabei stehen bleibt, das zu beklagen. Sondern wenn viele sich zusammentun, um etwas zu verändern, um das Leben in den Dörfern weiter lebenswert zu erhalten. Sie setzen sich zusammen und fragen, was die Menschen in den Dörfern brauchen – und was sie gemeinsam leisten können. Sie beteiligen möglichst viele daran – die Kommune, Vereine, Geschäftsleute… Und dann tun sie das, was sie können. Wie zum Beispiel eine Mitfahrerbank aufstellen. Oder sie renovieren in Eigenleistung die Friedhofshalle oder den Spielplatz, und ein Bauunternehmer stellt die Maschinen dafür und spendet Material.

Ganz oft sind die Kirchengemeinden mit dabei – manchmal kommen wichtige Impulse sogar aus ihrer Mitte. Weil sie mitten drin sind im Leben des Dorfes – so wie die Kirche ganz oft mitten im Dorf steht. „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7), hat der Prophet Jeremia seinem Volk geraten. Das gilt auch für das Dorf und alle, die dort miteinander leben.

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