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Jan Hus

Jan Hus

Michael Tönges-Braungart
Ein Beitrag von Michael Tönges-Braungart, Dekan, Evangelisches Dekanat Hochtaunus

Heute vor 500 Jahren, am 06. Juli 1415, wurde auf dem Konzil zu Konstanz Jan Hus als Ketzer verbrannt. Obwohl König Sigismund dem Priester Jan Hus aus Prag freies Geleit zugesagt hatte. Hus wollte vor dem Konzil seine Anliegen vertreten. Er meinte: Die Kirche muss sich verändern. Es ging ihm um das Ende der weltlichen Herrschaft der Priester und Bischöfe. Außerdem wollte Jan Hus das Abendmahl mit der Gemeinde mit Brot und Wein feiern. Üblich war, dass nur der Priester vom Wein trinken durfte.

Schließlich setzte er sich dafür ein, dass das Wort Gottes in der jeweiligen Landessprache gepredigt werden sollte und nicht mehr in Latein. Beim Studium der Bibel war Jan Hus zu diesen Überzeugungen gelangt. Die Freiheit des Gewissens war für ihn ein hohes Gut. Die Bibel, die Heilige Schrift, sollte letzte Autorität für das Gewissen sein, keine weltliche oder kirchliche Macht. Mit seiner Lehre fand er immer mehr Anhänger, obwohl – oder gerade weil – er sich im Widerspruch zur geltenden Lehre und Praxis der Kirche befand.

Deshalb war er exkommuniziert worden. Weil die Zahl seiner Anhänger wuchs und mit ihm zu rechnen war, sollte er seine Ansichten auf dem Konzil in Konstanz verteidigen. Ihm war versprochen worden, dass man ihn nicht verhaften würde. Doch König Sigismund hielt sich nicht an seine Zusage. Seine kirchlichen und politischen Ansprüche und sein Ehrgeiz waren ihm wichtiger; und der Druck auf ihn war wohl auch stark. So wurde Jan Hus schließlich als Ketzer verurteilt und starb auf dem Scheiterhaufen.

Seine Gedanken und Ideen konnten allerdings nicht mit ihm verbrannt werden. Sie hatten sich zwar noch nicht durchsetzen können. Aber sie waren in der Welt.

„Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.“ Ganz gleich, ob dieser Satz wirklich auf Jan Hus zurückgeht – er hat sich bewahrheitet. Gut 100 Jahre später hat Martin Luther seine Thesen veröffentlicht, mit denen die Reformation eingeläutet wurde. Und später hat sich Luther sogar selber als „Hussit“ bezeichnet und gesagt: „Ich habe bisher unbewusst den ganzen Johannes Hus gelehrt und gehalten“. Damit hat er seinem Vorläufer Ehre gezollt, der schon 100 Jahre zuvor die wesentlichen Überzeugungen gewonnen hatte, die Luther weiter entwickelt und denen er zum Durchbruch verholfen hat.

Jan Hus hat – anders als Luther – für seine Überzeugungen sterben müssen. Es wird überliefert, dass er betend, gefasst und ruhig in den Tod gegangen sei. Und bis in die letzten Tage seines Lebens hat er sich sogar einen grimmigen Humor bewahrt und an seine Freunde geschrieben: „Das aber erfüllt mich mit Freude, dass sie meine Bücher doch haben lesen müssen, worin ihre Bosheit geoffenbart wird. Ich weiß auch, dass sie meine Schriften fleißiger gelesen haben als die Heilige Schrift, weil sie in ihnen Irrlehren zu finden wünschten.“

Wenn in zwei Jahren das große Reformationsjubiläum nach fünfhundert Jahren begangen wird, dann ist es gut, wenn es nicht allein als Luther-Jubiläum gefeiert wird. Denn auch Jan Hus hat entscheidende Ideen der Reformation entwickelt, die bis heute aktuell sind – nicht nur für die Kirchen. Die Freiheit des Gewissens; die Trennung von weltlicher und staatlicher Macht; die Mündigkeit der einzelnen Christen. Dafür schulden wir ihm auch heute noch Respekt und Dank.

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