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Wie bist du doch so schön, du weite Welt
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Wie bist du doch so schön, du weite Welt

Prof. Dieter Wagner
Ein Beitrag von

Prof. Dieter Wagner,

Oberschulrat i. K. i. R., Künzell
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Der Mai ist noch relativ jung. Doch schon grünt alles und „die Bäume schlagen aus“. Das besingt auch Emanuel Geibel (1815-1884) in seinem berühmten Volkslied „Der Mai ist gekommen“. Mit diesem Lied lädt er zum Wandern in die erwachte Natur ein, in der, wie es im Lied heißt, „Gottes Odem so frisch“ weht. Geibel beschließt das Lied geradezu hymnisch: „Da singet und jauchzt das Herz zum Himmelszelt: Wie bist du doch so schön, du weite Welt.“
Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus! Der Mensch beutet die natürlichen Ressourcen der Erde gnadenlos aus. Immer mehr verdrängt er Tiere und Pflanzen und breitet sich in ihren Lebensräumen aus. Artensterben, Umweltkatastrophen, Überfischung, Wasserknappheit, Extremwetter und vieles andere mehr sind die Folgen. Adieu, du schöne weite Welt!
Bei nicht wenigen Menschen ist das Vertrauen in die schöne Welt, in die gute Schöpfung erschüttert. Sechs Tage brauchte der biblischen Erzählung zufolge Gott frür sein Schöpfungswerk. Am siebten Tag ruhte er sich aus. Aber bereits am achten Tag begann der Mensch, die Welt nach Bedürfnis und Geschmack einzurichten. Er hat die Erde in Besitz genommen und so kräftig umgebaut, dass man heute eher den Spuren des Menschen als den Spuren des Schöpfergottes begegnet.
Und dennoch sind sie die Spuren Gottes da. Wer, wie Emanuel Geibel, bewusst die Umwelt in den Blick nimmt, kommt auch heute noch aus dem Staunen nicht heraus. Jede Pflanze ist ein Wunder für sich. Dank einer eingebauten chemischen Fabrik kann sie Sonnenlicht in Nahrung umwandeln und so sich selber zu Leben und Wachstum verhelfen. Oder die wunderbare Vielfalt in der Tierwelt. Die größten, die Blauwale, sind bis zu 30 Meter lang, die kleinsten, die Amöben, sind kleiner als ein Millimeter und mit bloßem Auge kaum zu sehen. Unendliche Dimensionen nimmt das Staunen für den an, der einen Blick in unser Sonnensystem oder ins Universum wirft. Die Erde fliegt in der genau richtigen Entfernung zur Sonne, mit der genau richtigen Neigung der Erdachse, mit der genau richtigen Geschwindigkeit und Umdrehung um die Sonne, dass zu jeder Tages- und Jahreszeit genau die richtig Menge von Licht und Wärme vorhanden ist, so dass Leben und Wachstum überhaupt möglich sind. Würde sich auch nur das Kleinste in diesem Ablauf verschieben, würde das Tod und Zerstörung bedeuten.
Allein diese wenigen Hinweise lassen die Schlussfolgerung zu: Hier war nicht nur ein genialer Baumeister am Werk, der alles geschaffen hat. Mit seinem Werk hat er eine nicht zu überbietende Spur seines Wesens und seiner Kraft hinterlassen.
Deshalb kann ich auch heute noch – trotz aller Probleme und Schwierigkeiten -  mit dem Volkslied singen: „Wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt“.

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