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Vom "Dings da" zum Sportwagen

Vom "Dings da" zum Sportwagen

Gudrun Olschewski
Ein Beitrag von

Gudrun Olschewski,

Evangelische Pfarrerin, Pfungstadt

Auf seinen vier Rädern erobert er den Fußgängerverkehr: Der Rollator. Dem, der ihn nutzt, bietet er Halt und Sicherheit. Außerdem lassen sich kleinere Einkäufe transportieren. Ein wahres Multitalent. Aber umstritten. Für den einen ist er ein willkommenes Hilfsmittel, um mobil und unabhängig zu bleiben. Für andere wiederum ist er das Eingeständnis der eigenen Gebrechlichkeit. Zum Beispiel für Ludwig.

Lange Zeit macht er einen großen Bogen um ‚dieses Dings da’, wie er den Rollator nennt, will ihn partout nicht benutzen. Seine Begründung: „So alt bin ich nun auch noch nicht“. Lieber ist er auf wackeligen Beinen und mit Krücke unterwegs, auch wenn der Rollator griffbereit neben der Wohnungstür steht.

An einem Sonntagvormittag ist Ludwigs Krücke wie vom Erdboden verschluckt. Die Zeit drängt. Er will unbedingt zum Gottesdienst. Ohne die Krücke wird er es nicht schaffen, der Weg ist zu weit. Unschlüssig steht er an der Tür: „Was sagen die Leute, wenn ich jetzt mit ‚diesem Dings da‘ ankomme?“, sorgt er sich. Doch die Neugier auf den neuen Pfarrer siegt.

Ludwig schnappt sich das bislang so verpönte ‚Dings da‘. Noch leise vor sich hin grummelnd öffnet die Haustür, durchquert den Hof und rollt schnurstracks auf den Gehweg zu als habe er seit Wochen nichts anderes getan. „Schon eine feine Sache, so ein Sportwagen“, verkündet Ludwig seiner Frau drei Stunden später, noch bevor er die Wohnungstür hinter sich geschlossen hat.

„Der Sportwagen gibt mir guten Halt und ich komme sogar schneller voran als mit Krücke“, sagt er. „Außerdem soll ich dich von Karl grüßen. Mit dem habe ich unterwegs ein Schwätzchen gehalten und es mir dabei auf dem Sportwagen bequem gemacht.“ Inzwischen ist es Ludwig längst nicht mehr peinlich, seinen Sportwagen vor der Kirche oder dem Gasthaus zu parken. So wissen die anderen gleich: Ludwig wartet schon.

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