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Tod Reden - der Lebendige Stammtisch
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Tod Reden - der Lebendige Stammtisch

Bernd Spriestersbach
Ein Beitrag von

Bernd Spriestersbach,

Evangelischer Schulpfarrer und Schulseelsorger, Hanau
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Sehr lebhaft und lebendig über Sterben, Tod und Trauer reden, das geht. Beim Stammtisch ‚Tod-Reden‘.
Eigentlich wollten meine Frau und ich zu einem Vortrag der Deutschen Palliativ-stiftung. Mit den Örtlichkeiten nicht vertraut, finden wir den Veranstaltungsort nicht. Dann ein Schild im angrenzenden Gebäude: Vortragssaal.
Wir gehen hinein. In einer Runde sitzen 20-25 Frauen und Männer. Jüngere. Ältere. Bunt gemischt. In der Mitte eine Kerze, ein Tuch und einige Flyer. „Sind wir hier richtig beim Vortrag der Palliativstiftung?“ fragen wir. Und entschuldigen uns für unser ‚Hineinplatzen‘. „Einen Vortrag gibt es hier nicht. Aber bei der Palliativstiftung sind Sie hier richtig. Setzen Sie sich ruhig dazu.“ Das tun wir dann auch. Und merken bald: Das hier ist eine andere Veranstaltung. Aber jetzt wieder gehen, wäre unhöflich und störend. Also bleiben wir, sitzen mit in der Runde, verfolgen das Gespräch. Das dreht sich um Tod und Sterben, um erlebte Abschiede, Erfahrungen am Sterbebett. Keine leichten Themen also. Umso erstaunlicher: Alle scheinen irgendwie gelöst, nicht angespannt. Die Teilnehmer berichten mit großer Offenheit von ihren Erfahrungen, den schweren und den schönen.

Am Ende erfahren wir, dass wir bei ‚Tod-Reden‘, dem ‚Lebendigen Stammtisch‘ sind. Einem Angebot der Deutschen Palliativstiftung in Fulda. Das gut angenommen wird. Von ganz unterschiedlichen Menschen. Alle bereit, sich auseinander zu setzen mit der Endlichkeit des Lebens.
Das Sich-Aussprechen-Können scheint heilsam zu wirken. Der Austausch belebend. Bei der Feedback-Runde am Ende sagen die meisten: „Ich bin das nächste Mal wieder mit dabei.“
Meine Frau und ich vielleicht auch. So Gott will und wir leben.

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