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Selbstverwirklichung und Selbsthingabe – passt das zusammen?
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Selbstverwirklichung und Selbsthingabe – passt das zusammen?

Christoph Hartmann
Ein Beitrag von

Christoph Hartmann,

Lehrer und Referent für Schulpastoral, Fulda
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Selbstverwirklichung stellt in unserer Zeit ein hohes Gut dar und nimmt in der Öffentlichkeit viel Raum ein. Im Gegensatz dazu scheint für Selbsthingabe nur wenig Platz zu sein. Anders ist das in der Bibel – da ist eher von Selbsthingabe die Rede. Und das ziemlich klar: Wer sein Leben bewahren will, wird es verlieren. Oder: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

Selbstverwirklichung und Selbsthingabe - passt das zusammen? Im christlichen Sinne verstehe ich unter Selbstverwirklichung, dass ich mir meiner eigenen Fähigkeiten – meiner Charismen - bewusst werde. Sie im Laufe des Lebens zu entdecken, herauszuarbeiten und zu nutzen ist dabei die notwendige Aufgabe. Jetzt kommt es aber darauf an: Klopfe ich mir nun ständig selbst auf die eigene Schulter, weil ich so toll bin? Oder setze ich meine Charismen für andere, für die Gemeinschaft ein?
Wer in einer Beziehung lebt, kann da schnell ein Lied von singen, was das bedeutet. Sich einzusetzen für seine Frau, für die Kinder, für die Eltern und Schwiegereltern, ja auch für die Freunde. Das hat mit Selbstverwirklichung – ich tue nur das, was mir passt – wenig zu tun. Wer nur sich im Blick hat, verliert zwangsläufig andere aus dem Blick und wird so beziehungsunfähig!

Damit Beziehungen aber gelingen können, rückt das biblische Wort der Selbsthingabe in den Fokus. Von sich weg, hin zu anderen. Ein erster Schritt, wie ich in diese Bewegung von mir zu anderen kommen kann: Die Menschen um mich herum wahrnehmen. Interesse zeigen für das, was meine Mitmenschen bewegt. Nachfragen: Worüber denkst du gerade nach? Was beschäftigt dich? Ein zweiter Schritt kann dann sein: Die Augen vor der notwendigen Arbeit nicht zu verschließen! Ich denke da an die Wäsche, die zusammengelegt werden muss, oder den Kindern bei den Hausaufgaben im Distanzunterricht zu helfen. Ich gebe zu, dass ich manchmal viel lieber lesen, Musik hören oder ins Bett gehen würde. Aber hier wird es konkret, was es heißt meine Bedürfnisse hinten anzustellen. Hier mache ich etwas für andere. Im Johannesevangelium trägt Jesus seinen Jüngern auf: Liebt einander! Eigentlich ganz einfach. Ich jedenfalls möchte da dranbleiben. Daher nehme ich mir in den kommenden Tagen bewusst vor: Jeden Tag eine gute Tat für andere!

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