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Reden wie Ella Schön
Bildquelle: Enrique Meseguer/Pixabay

Reden wie Ella Schön

Tanja Griesel
Ein Beitrag von

Tanja Griesel,

Evangelische Pfarrerin, Kassel
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Unverblümt auszusprechen, was man denkt, kann manchmal herzerfrischend sein, manchmal kommt das aber gar nicht gut an. Die Serienheldin Ella Schön kann gar nicht anders: Sie sagt, was sie denkt. Und sie meint, was sie sagt. Ella Schön hat das Asperger-Syndrom. Das ist eine Form von Autismus. Gefühle auszudrücken und wahrzunehmen, fallen ihr schwer. Ironie und Sarkasmus sind ihr fremd. Sie nimmt jedes Wort für bare Münze.
 
Als ihr Mann Thomas bei einem Unfall stirbt, entdeckt Ella, dass er ein Doppelleben führte. Hoch im Norden besitzt er ein Haus, in dem seine Zweitfrau lebt. Seine Freundin Christiane erwartet ein Kind von ihm. Eigentlich möchte Ella das Haus verkaufen. Sie braucht das Geld. Aber Thomas hat Christiane das Haus versprochen. Die Situation scheint ziemlich verfahren. Während Christiane emotional reagiert, wirkt Ella kalt und abweisend, geradezu bösartig. Sie ist einfach nicht in der Lage, auszudrücken, wie verletzt sie ist. Die beiden Frauen setzen sich auseinander – dabei lassen sie die üblichen Formen der Höflichkeit aus. Niemand schont die andere. Das tut weh, ist aber in der Konstellation Ella und Christiane auch sehr unterhaltsam. 

Manchmal braucht es die Auseinandersetzung. Menschen, die Klartext reden. Die die Worte so meinen, wie sie sie sagen. Nicht um mich zu verletzen, sondern um mir die Augen zu öffnen für das, was ich nicht sehe. Da geht es mir so, wie in dem Gleichnis, das Jesus erzählt: „Du siehst den Splitter im Auge deines Gegenübers, aber den Balken in deinem Auge siehst du nicht? (Lk 6, 41)“ Es fällt mir leichter, die Fehler bei anderen zu suchen, als mir meine eigenen Fehler einzugestehen. Wer sich sieht, wie er ist, und sich so akzeptiert, kann auch andere so nehmen, wie sie sind.

Ella und Christiane erkennen, dass es sie nicht weiterbringt, mit dem Finger auf die andere zu zeigen. Am Ende werden sie Freundinnen, weil sie nicht nur gestritten haben, sondern auch nachsichtig sein konnten. Sie haben sich ausgesöhnt.

Das haben sie geschafft, weil sie kein Blatt vor den Mund genommen haben und ehrlich miteinander waren.

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