Ihr Suchbegriff
Oktoberrevolution
Bildquelle Pixabay

Oktoberrevolution

Michael Tönges-Braungart
Ein Beitrag von

Michael Tönges-Braungart,

Dekan, Evangelisches Dekanat Hochtaunus

"Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt, wenn einst Himmel und Erde vergehen." So dichtet der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti.

Heute vor 100 Jahren begann die Oktoberrevolution. Sie heißt so, weil der 7. November nach dem damals in Russland gültigen julianischen Kalender der 25. Oktober ist. Die „Bolschewiki“ genannten Kommunisten haben nicht nach dem Himmel im Sinne eines Jenseits gefragt. Aber eine Art „Himmel auf Erden“ wollten sie schon errichten. Unter der Führung von Wladimir Iljitsch Lenin übernahmen sie gewaltsam die Macht in Russland und begründeten die Diktatur des Proletariats. In der Folgezeit wurden Millionen Andersdenkende durch „Roten Terror“ ermordet.

Was Menschen aus der Unterdrückung befreien und ihnen Gerechtigkeit bringen sollte, brachte neue Unfreiheit und neues Unrecht hervor. Die meisten kommunistischen Diktaturen sind in den letzten 30 Jahren zerbrochen – nicht zuletzt auch, weil sie diesen inneren Widerspruch nicht auflösen konnten.

Die Fragen nach der Freiheit und der Gerechtigkeit aber sind geblieben. Natürlich leben wir heute nicht in Verhältnissen wie damals in Russland vor der Revolution. In unserem Land genießen wir große Freiheit. Aber sie ist kein gesicherter Besitz. Es kommt darauf an, sie zu bewahren. Und um die Frage, was Gerechtigkeit bedeutet, wird in der politischen Diskussion immer wieder gerungen. Vollends anders ist es um die Frage nach Freiheit und Gerechtigkeit bestellt, wenn wir auf viele andere Länder schauen.

Wo Menschen versucht haben, den Traum vom Himmel auf Erden mit Gewalt in die Realität umzusetzen, hat das immer in einem Alptraum geendet, haben sie eine neue Hölle auf Erden geschaffen.

Aber das kann ja nicht heißen, diesen Traum aufzugeben. Das darf nicht bedeuten, sich damit abzufinden, dass in der Welt Unfreiheit und Ungerechtigkeit herrschen – mal mehr und mal weniger. Oder genauer gesagt: Für die einen Menschen mehr und für die anderen weniger. Es ist wichtig, die Sehnsucht nach einer Welt voll Freiheit und Gerechtigkeit nicht aufzugeben.

Diesen Traum vom Himmel nicht aufzugeben. Christen verbinden diesen Traum mit der Hoffnung auf Gott. Sie sind überzeugt: Wir können vollkommenen Frieden und absolute Gerechtigkeit nicht herstellen. Das heißt aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen, denn Gott wird’s schon richten. Vielmehr hoffen Christen darauf, dass der Traum von Gottes Himmel ihr Handeln – und damit auch die Welt – verändert. Kurt Marti, der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller, dichtet:

Der Himmel, der kommt,
das ist der kommende Herr,
wenn die Herren der Erde gegangen.

Der Himmel, der kommt,
das ist die Welt ohne Leid,
wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

Der Himmel, der kommt,
das ist die fröhliche Stadt
und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

Der Himmel, der kommt,
grüßt schon die Erde, die ist,
wenn die Liebe das Leben verändert.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren