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Natürlich sind die olympischen Spiele politisch
picture alliance/dpa | Marijan Murat

Natürlich sind die olympischen Spiele politisch

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Letztes Olympia-Wochende – morgen gehen die Spiele in Tokio zu Ende. Einzelne Sportfunktionäre und Athleten sagen ja immer wieder: Es gehe nur um Sport. Die Olympischen Spiele seien total unpolitisch.  Eine Illusion - wie die Spiele gerade wieder in Tokio vor Augen führen. 

Bei Olympia zeigt sich die globale Gesellschaft wie in einem Brennglas

Im Mittelpunkt der Sommerspiele in Tokio stehen tolle sportliche Leistungen, berührende Gesten – und viel Politik. Gerade bei Olympia zeigt sich die globale Gesellschaft wie in einem Brennglas. Das kann erschütternd sein wie das Verhalten der belarussischen Funktionäre, die die Leichtathletin Kristina Timanowskaja zur Staatsfeindin erklären, nur weil sie Kritik am Trainer geübt hat.

Kristina Timanowskaja wurde gegen ihren Willen zum Flughafen gefahren

Der Fall ist besonders krass. Eigentlich sollte sie am Montag im Olympiastadion die 200 Meter-Distanz laufen. Doch dazu kam es nicht. Sie wurde gegen ihren Willen zum Flughafen gefahren, um in ihr Heimatland zurückgeflogen zu werden. In ihrer Not wandte sich die Leichtathletin an die japanische Polizei. Die schützten die 24-Jährige vor weiteren Zugriffen. Es waren viele Journalisten zugegen, die bedrückenden Bilder vom Flughafen sahen Zuschauerinnen und Zuschauer in aller Welt.

"Wenn ein Körperteil leidet, so leiden alle anderen Körperteile mit"

Polen hat der Sportlerin und ihrem Mann inzwischen ein humanitäres Visum erteilt. Auch andere Länder waren dazu bereit. Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass das Schicksal einzelner den anderen nicht egal ist. Eine gute Gemeinschaft ist wie ein Körper, steht in der Bibel: „Wenn ein Körperteil leidet, so leiden alle anderen Körperteile mit.“ (1. Korinther 12,26)

Die Welt hat Solidarität mit der Sportlerin bewiesen

Und so ist es ja auch. Wie können die Welt-Spiele heiter und unbeschwert sein, wenn eine Sportlerin entführt werden soll in ihr Heimatland? Der belarussische Staatspräsident Alexander Lukaschenko hat damit aller Welt gezeigt, wes Geistes Kind er ist. Und andere haben bewiesen, dass sie solidarisch sind mit der Sportlerin.

Simone Biles wurde zur Botschafterin für Menschen mit Depression

Wenn ein Bereich des Körpers leidet, leiden die anderen mit.Simone ­Biles, Ausnahmetalent im Turnen, musste die Wettkämpfe absagen wegen psychischer Probleme. Doch sie erfährt Zuspruch aus aller Welt. Sie ist zu einer Botschafterin für Menschen geworden, die an Depressionen leiden – das ist eine der schönen Geschichten dieser Spiele.

„Wenn ein Körperteil leidet, leiden die anderen mit.“ So geht gute Gemeinschaft. Vor Ort und weltweit.

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