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Leben ist Glaubenssache
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Leben ist Glaubenssache

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Großer Bahnhof für Erich Honecker. Heute vor dreißig Jahren. Da kommt der Regierungschef der DDR zum Kanzler der BRD. Honecker fühlt sich geehrt. Erst in Bonn, später in seiner Heimat Saarland. Und ist so guter Laune, dass er später den munteren Satz sagt: „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.“

Zwei Jahre später ist es vorbei mit dem Lauf. Ob Honecker alles so recht verstanden hat, bezweifle ich. Wie kann etwas Gutes einfach in sich zusammenfallen? Wie können Menschen rufen: „Wir sind das Volk“? Honecker glaubte, was er glauben wollte. Alles bestens, sah er und wurde ihm gesagt. Nur glückliche Menschen, die Urlaub an der Ostsee machen und kaufen, was sie wollen. Honecker glaubt es. Und glaubt. Bis sein Land zusammenfällt und er mit ihm. Leben ist Glaubenssache.

Aber der richtige Glaube soll es sein. Genauer gesagt: Leben und Glauben sollen nicht auseinanderfallen. Während Honecker sich im Glanz des Staatsbesuchs sonnt, haben andere erheblichen Mangel. Während Honecker fürstlich lebt, fehlt anderen das Nötigste. Man darf eben nicht nur glauben, was man glauben will. Manchmal muss man auch glauben, was einem wehtut. Wenn Leben Glaubenssache ist, muss man genau hinschauen. Passt das Leben zum Glauben? Hilft der Glaube zu leben? Ja, tut er. Wenn er richtig ist und nicht rosarot. Glauben und Leben sind jeden Tag meine Aufgabe. Es reicht nicht zu glauben, was mir passt und was ich schön finde. Ich soll auch sehen, was meinem Glauben widerspricht. Und mich fragen: Was glaube, was hoffe ich wirklich? Und damit dann leben; mit Gottes Hilfe.

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