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Kraftfinden beim Helfen
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Kraftfinden beim Helfen

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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„Seit vielen Jahren lebe ich allein, mein Leben ist sinnlos und ohne Perspektive.“ So hat es ein Frührentner einem Seelsorger gesagt, und er fährt fort: „Tagsüber male ich Bilder für meine Wohnung oder spiele zuhause allein Gitarre. Wenn ich mit Bekannten über meine Einsamkeit sprechen will, dann wenden sie sich schnell ab.“ Der Seelsorger antwortet: „Vielleicht drehen Sie sich zu sehr um sich selbst. Wenn Sie Bilder malen, verschenken Sie diese doch an Interessierte, wenn Sie Gitarre spielen, gehen Sie in ein Altenheim und erfreuen damit die Bewohner. Sie werden sehen: Wenn Sie das, was Sie können, für andere tun, verändert das Ihr Leben!“

Als ich von diesem Gespräch in einem Meditationskalender gelesen habe, dachte ich dabei an ein Gebet von Mutter Teresa, es geht so: „Wenn ich mutlos bin, schicke du Gott mir jemanden, dem ich Mut machen kann, wenn ich nur an mich denke, lenke du Gott meine Aufmerksamkeit auf Menschen in Not.“ Ich kann den Frührentner gut verstehen, aber auch den Rat, den er von dem Seelsorger bekommen hat. Auch wenn ich nicht in der Einsamkeit des Frührentners lebe – manchmal habe ich auch Sorgen, die mich bedrücken:  meine Gesundheit, meine Zukunft, ein bevorstehendes Gespräch, ein kranker Familienangehöriger. Und wenn ich dann mit wenig Energie zum Arbeiten gehe, gibt mir die Begegnung mit anderen Menschen Kraft. Kranke, Alte, Trauerende  – Menschen, zu denen ich gehe, um ihnen beizustehen, geben mir in solchen Momenten etwas von ihrer Energie – oft ohne, dass sie es wissen. Ich spüre dann: Ich werde gebraucht, und das hilft mir.

Die Bitte von Mutter Teresa: „Wenn ich mutlos bin, schicke mir jemanden, dem ich Mut machen kann“, die geht für mich manchmal in Erfüllung. Ich kann das Gott sei Dank in meinem Beruf machen als Seelsorger - anderen Mut machen. Aber natürlich kann ich das auch privat. Seit vielen Jahren besuche ich ehrenamtlich eine Frau im Gefängnis. Ich helfe ihr, einen Schulabschluss zu machen. Die Besuche im Gefängnis sind keine Einbahnstraße. Ich erfahre durch die Gespräche vieles über die Lebenssituation eines Menschen, der auf die schiefe Bahn geraten ist und es besser machen will. Da spüre ich Dankbarkeit, dass bei mir vieles so glatt gelaufen ist, und ich fühle mich privilegiert als Mensch mit Beruf und Einkommen. Dieselbe Dankbarkeit habe ich auch schon gespürt, als ich einmal im Krankenhaus war und mit meinen Mitpatienten redete. Die Lebensgeschichten handelten oft von Arbeitslosigkeit, Armut und der Sorge um das tägliche Brot. Da wusste ich wieder, wie gut ich`s habe.

Ich habe immer wieder erfahren: Wenn ich Menschen in Not beistehe, dann hilft das nicht nur denen, sondern auch mir. Manches relativiert sich dann an eigenen Problemen, und die Freude die ich anderen schenke, kehrt zurück.

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