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Gott wohnt im Himmel
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Gott wohnt im Himmel

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt
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Für die meisten Kinder ist klar: Gott wohnt im Himmel! Dort hat er Raum genommen. Da gehört er hin. Im Himmel ist gewissermaßen sein Wohnort. Letztlich ist auch Gott selbst auf einen Ort angewiesen, wo er sich sicher und geborgen fühlt. So ist die kindliche Wahrnehmung. Denn jeder Mensch braucht ein Zuhause. Also auch Gott selbst.  Kinder tröstet diese Vorstellung. Für Gott ist gesorgt, wie auch für sie gesorgt sein soll.

Der Himmel ist endlos, ewig und letztlich für Menschen unerreichbar. Er ist also durchaus ein treffendes Bild für Gottes Wohnung. Wie der Himmel, so ist auch Gottes Gegenwart: weit und grenzenlos. Gott ist nicht auf bestimmte Orte, Zeiten und Räume festgelegt. Er ist der alles umfassende Ort, in dem Welt und Mensch geborgen sind. Worte aus einem Psalm sagen genau das: Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Psalm 90).

Das sind große Worte. Deshalb helfen sie auch in großen Lebenslagen. Und gerade dann, wenn Menschen nicht weiter wissen. Sie werden gesprochen und gelesen, wenn jemand krank ist oder Angst hat. Auch bei Trauerfeiern. In solchen Lagen fragen Menschen, worauf sie sich verlassen können, wo sie Geborgenheit finden. Dann, wenn sie merken, dass die Lebenszeit vergeht, dass Beziehungen enden und Kräfte weniger werden. Dann sind diese Worte eine Zuflucht. In ihnen kann man sich bergen. Sie bezeugen die Hoffnung: Wohin sie auch gehen, Gott ist ihr Lebensraum, ihre Zuflucht. Ich begreife diese Worte wie ein Zelt, das über Menschen gespannt wird – schützend und tröstend. Tief in Erinnerung geblieben sind mir die Augen einer Frau kurz vor ihrem Tod. Hilflos sah sie mich an: Wohin gehe ich? Wohin kann ich fliehen?

Übrigens sind das keine Fragen, die nur in der letzten Lebensphase gestellt werden: Wohin gehe ich? Wohin kann ich gehen? Gott als Zuflucht – ist ein hochaktuelles Thema: Flüchtlinge suchen sichere Häfen – Wohnungslose festes Obdach. Wohin kann ich gehen, wohin mich wenden? Das deutsche Wort „Zu-flucht“ weist im Grunde auf eine Suchbewegung. Ich suche nach einem Ort, zu dem ich gehen kann. Eine solche Suche treibt auch Jugendliche ohne Rückhalt in ihrer Familie, Menschen, die das Gefängnis verlassen, und solche, die sich im Arbeitsalltag bedrängt und gemobbt fühlen. Es ist die tiefe Lebensfrage von jedem von uns. „Wohin gehe ich?" Deshalb berührt wohl auch jeden diese Frage nach dem „Wohin“. Wenn man sie von anderen hört. Wenn man sie selbst sich stellt. 

Die Frage nach dem Wohin, nach dem sicheren Ort, ist eine ganz irdische Frage. Sie treibt Menschen um.  Sie brauchen geschützte Lebensräume. Orte, an den sie Wurzeln schlagen können. Beziehungsnetze, in den sie zuhause sind. Sie zu gestalten, bleibt eine lebenslange Herausforderung. Wer spricht: Gott, Du bist Zuflucht, verankert sich darüber hinaus auf den Ort, der die Erde umfasst, doch größer ist als sie.

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