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Gerechter Lohn für die Arbeit?
Bild: Pixabay

Gerechter Lohn für die Arbeit?

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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Für viele Menschen ist Arbeit nicht das Leben, aber ein wichtiger Teil davon. Durch Arbeit wollen viele Menschen das Geld verdienen, das ein unabhängiges und selbstständiges Leben ermöglichen soll. Doch einen Job zu haben, bedeutet heutzutage nicht, unter menschenwürdigen Bedingungen zu arbeiten.

Wir blenden es im Alltag gerne aus

In vielen Ländern der Welt – auch in Deutschland – arbeiten Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen. Darauf macht der heutige „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ aufmerksam. Wir blenden es im Alltag gerne aus: Wenn eine Textilfabrik in Bangladesch brennt oder es um die Fußballstadien in Katar geht, wird kurz berichtet, dann verschwindet das Thema „bessere Arbeitsbedingungen“ wieder von der Tagesordnung.

Dabei sind menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit Teil der wichtigen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 der UNO. Dort heißt es: „Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern“. Bis dieses große Ziel erreicht wird, muss noch viel geschehen. Die vielen negativen Folgen von Globalisierung, ungerechten Welthandelsstrukturen und politischen Entscheidungen müssen beseitigt werden. Jeder Schritt, im Kleinen wie im Großen, ist dafür bedeutsam.

Damit der Lohn zum Leben reicht

Schon in der Bibel sind Gerechtigkeit und Arbeit an vielen Stellen Thema. Angefangen beim Gebot der Sabbatruhe, wo es heißt: „Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag“ (Exodus 20, 9f). Der Wechsel von Arbeitszeit und Freizeit wird hier als göttliches Gebot fest verankert. Bemerkenswert ist dabei: In diesem Zusammenhang wird betont, dass auch die Knechte am Sabbat nicht arbeiten sollen.

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg zeigt schließlich die prekäre Arbeitssituation von Tagelöhnern, die sich mühen, überhaupt Arbeit zu finden. Und dann sind sie von der Großzügigkeit des Arbeitgebers abhängig, damit ihr Lohn zum Leben reicht. (Matthäus 20, 1-16)

In christlicher Tradition gehört Arbeit selbstverständlich zum Leben. Sie sichert den Lebensunterhalt und die Unabhängigkeit von anderen. Die Arbeitsumstände werden selten thematisiert – aber eigentlich legt die Bibel die ethischen Grundlagen.

Im Mittelpunkt steht das Wohl des Menschen

Als Christin finde ich es daher wichtig, mich für menschenwürdige Arbeit einzusetzen. In meinem Alltag versuche ich, faire Produkte zu kaufen und Organisationen zu unterstützen, die sich für faire Bedingungen einsetzen. Ich finde es auch wichtig, politisch solche Initiativen zu unterstützen, die sich dafür einsetzen, dass Arbeit ein guter Teil des Lebens ist. Egal, ob es um die Mitarbeiter von Call-Centern in Deutschland oder Kinder in afrikanischen Minen geht. Deshalb finde ich die Idee gut, dieses Recht auch ins Grundgesetz aufzunehmen. 2020 hat die Fraktion „Die Linke“ in den Bundestag den Vorschlag eingebracht, Artikel 12 des Grundgesetzes zu ergänzen. Zusätzlich soll es dort heißen: „Im Mittelpunkt des Arbeits- und Wirtschaftslebens steht das Wohl des Menschen. Der Schutz seiner Arbeitskraft hat den Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen seines Vertragspartners oder Dienstherrn. Jedermann hat ein Recht auf menschenwürdige und existenzsichernde Arbeit und Ausbildung. Ein Arbeitslohn ist existenzsichernd, wenn er mindestens einen angemessenen Lebensunterhalt sichert.“ Wenn das Gesetz umgesetzt würde, wären wir schon einen Schritt weiter auf dem Weg zu einer Welt, in der es nur menschenwürdige Arbeit gibt.

 

 

 

 

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