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Etwas Güte geht immer
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Etwas Güte geht immer

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Oma geht es besser, sagt die Enkelin. Es sei wie ein Wunder, erzählt sie einer Zeitung in den USA vor ein paar Tagen (focus.de 31.12.2019). Dabei ging es ihrer Großmutter schlecht. Sie ist behindert und schon etwas dement. Sie sitzt am Fenster, stumm, ins Leere blickend. Dachte die Enkelin. Aber, kurz nach Weihnachten, liegen ein Geschenk ohne Absender und eine Karte im Briefkasten. Darauf steht: An die Dame, die immer lächelt und winkt. Weiter steht da: Es ist so schön, die alte Dame immer lächeln und winken zu sehen. Bitte nehmen Sie mein Geschenk und lächeln Sie weiter. Also sitzt Oma nicht nur herum, sagt die Enkeln, sondern lächelt und winkt. Und kriegt an Silvester ein Geschenk dafür. Jetzt geht es Oma viel besser.

Güte macht alles besser; macht uns weniger schroff oder hart, weniger verbissen. Ich stelle mir die Oma vor, wie sie krank im Sessel sitzt und gütig winkt. Und andere zum Lächeln bringt. Güte macht alles besser; sogar das eigene Kranksein, vielleicht sogar die Sorgen. Denn Güte kommt immer zurück, glaube ich. Nicht immer so, wie ich mir das erhoffe. Trotzdem kommt sie zurück. Sie macht mich sanfter - zu mir und anderen. Ich jammere weniger und lächele mehr, selbst noch beim Weinen.     

Wer gütig ist, wer noch winkt und lächelt, macht die Welt schöner. Sich selbst auch. Das liebt Gott. Er wünscht sich uns gütig, möglichst in allem. Etwas Güte geht immer. Und Güte fällt auf. Weil sie alles erträglicher macht. Und weil wir Gott spüren, wo jemand gütig ist.   

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