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Mut zu dir selbst
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Mut zu dir selbst

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Manche Sätze klingen lange nach, schaffen es immer mal wieder an die Oberfläche. Mir geht das so bei dem Satz: „Ich will, dass Du bist.“ In großen goldenen Buchstaben steht er geschrieben in der Augustinerkirche in Würzburg. Ob der Kirchenvater Augustinus diese fünf Worte wirklich so gesagt hat, steht dahin. Auf jeden Fall fühlte er sich so von Gott angesprochen: Ich, Gott, will, dass Du bist.

Die Kraft der Worte „Ich will, dass Du bist.“

Mich fasziniert die Kraft dieser Worte. Für mich heißt das: Egal, wie Du bist, Du bist willkommen. Egal, was Du hast oder kannst. Du darfst sein mit Deinen Talenten und Deinen Schwächen, mit dem, was Dir gelingt und mit dem, woran Du scheiterst, Du darfst sein mit Deiner Lebenslust, Deiner Freundlichkeit und Deiner Großherzigkeit, aber auch mit Deinem Trotz, Deiner Wut und Deiner Ungeduld, mit allem, was zu Deinem Leben gehört. „Ich will, dass Du bist.“ Das heißt: Du kannst zu Dir selber stehen. Es ist nicht nötig, Dich selbst zu betrügen, zu belügen, zu protzen mit Geld oder Macht.

Die Liebe Jesu ist stark und will etwas

Die Stärke dieses Satzes liegt auch in dem Verb wollen. Wirklich etwas wollen, mit Entschiedenheit, aktiv. So stelle ich mir die Liebe Jesu vor. Sie will etwas, sie hat eine Richtung. Sie will, dass Menschen immer mehr zu dem werden, was sie im Kern sind. Und weil diese Liebe wirklich etwas will, ist sie so stark, setzt tiefgreifende Veränderungen in Gang.

„Ich will, dass Du bist“ - dieser Satz verändert

Es verändert sich was, wenn mich der Satz trifft. Es kann sein, dass ich mutig werde, mich was traue. Dass ich frei werde. Und gerade deshalb auf andere Rücksicht nehme.  Denn wer sich geliebt weiß, kann den anderen sein lassen. Wer sich so angesprochen weiß, kann Andere sein lassen, ohne sie dauernd verändern zu wollen. Ihm vielleicht sogar helfen, herauszufinden, wer er oder sie im Tiefsten ist. Diese Worte gelten mir und den Menschen neben mir: Ich will, dass Du bist.  

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