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Die Vorfreude auf Weihnachten im Gesicht tragen
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Die Vorfreude auf Weihnachten im Gesicht tragen

Winfried Engel
Ein Beitrag von

Winfried Engel,

Ltd. Schulamtsdirektor i. K. i. R., Fulda
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„Ich wusste auf einmal: So müsste eigentlich das Adventsgesicht der Christen aussehen!“, so endet die kurze Erzählung eines mir unbekannten Autors. Sie handelt von der Begegnung mit einem blinden Menschen. „`Bitte, warten Sie hier!´ sagte ich zu dem Blinden und ließ ihn an einer verkehrsgeschützten Ecke des Großstadtbahnhofs allein. Ich wollte ihm das Gewühl ersparen auf dem Weg zum Schalter, zur Auskunft, zur Fahrplantafel. Zurückkehrend sah ich ihn schon von weitem stehen. Er stand ganz still, der Blinde. … Die Schritte um ihn her, die unbekannten Stimmen, die Geräusche des lebhaften Verkehrs schienen für ihn keine Bedeutung zu haben. Er wartete. Es war ein ganz geduldiges, vertrauendes Warten. Es war kein Zweifel auf dem Gesicht, dass ich etwa nicht wiederkommen könnte. Es war ein wunderbarer Schein der Vorfreude darin: er würde bestimmt wieder bei der Hand genommen werden.“ Und die Erzählung schließt dann mit dem Satz: „Ich wusste auf einmal: So müsste eigentlich das Adventsgesicht der Christen aussehen!“[1]

Sollte das wirklich so sein, dass den Christen nicht anzusehen ist, was sie vorgeben zu glauben? Sie sprechen zwar vom Advent, doch die große Erwartung steht ihnen nicht ins Gesicht geschrieben. Ich stelle mir vor, wie es anders ein könnte. Wir Christen haben wirklich allen Grund, uns wieder bewusst zu machen: Gott hat mit seiner Liebe zu den Menschen Ernst gemacht, er ist einer von uns geworden.

Es wird immer wieder kritisiert, dass der Verkaufsrummel vor Weihnachten das eigentliche Weihnachtsfest verdrängen würde. Hier könnten wir Christen von dem Blinden in der Erzählung lernen: Wenn ich mich nicht beirren lasse von all dem vorweihnachtlichen Trubel, dann könnte sich auch auf mein Gesicht „ein wunderbarer Schein der Vorfreude“ legen, auf das nämlich, was ich an Weihnachten feiere. Und ich könnte andere vielleicht anstecken. Etwas Zeit bleibt mir noch, der Advent hat ja gerade erst begonnen!


[1]Heinz Schäfer, Vorfreude, in: B. u. H. Hug (Hg.), Blätter, die uns durch das Jahr begleiten, Stuttgart 1993(3), 4. Dezember

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